Brandinferno in Paraguay Notausgang war zugeschweißt

In dem abgebrannten Einkaufszentrum im paraguayischen Asunción hat es massive Sicherheitsmängel gegeben. Der Haupteigentümer des Kaufhauses stritt im Verhör ab, die Anweisung zum Verriegeln der Ausgänge gegeben zu haben. Wegen verschlossener Türen waren Hunderte Menschen verbrannt oder erstickt.


Feuerwehrleute in der Ruine des Einkaufszentrums: Mauer durchbrochen, um die Eingeschlossenen zu befreien
AFP

Feuerwehrleute in der Ruine des Einkaufszentrums: Mauer durchbrochen, um die Eingeschlossenen zu befreien

Asunción - Polizeichef Hugo Nunez sagte, Feuerwehrmänner hätten den Hauptausgang verschlossen vorgefunden, und der Notausgang sei zugeschweißt gewesen. Drei Besitzer des Supermarkts sowie drei Wachmänner wurden festgenommen. "Sie alle sollen wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung angezeigt werden", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Rafael Fernández.

Es solle vor allem ermittelt werden, wer von ihnen für die von Augenzeugen beobachtete Schließung der Ausgänge verantwortlich war. Haftbefehle liegen den Angaben zufolge auch gegen zwei weitere Geschäftspartner der Besitzer vor sowie gegen drei weitere Mitglieder der Sicherheitsteams, die alle untergetaucht seien und gesucht würden. Die eventuell für die Tragödie verantwortlichen Personen können nach Meinung von Fernandez möglicherweise auch wegen Mordes angeklagt und damit zu Haftstrafen von bis zu 25 Jahren verurteilt werden.

Einer der verdächtigten Besitzer wies diese Anschuldigung jedoch zurück: "Die Wachmänner haben bestätigt, dass sie die Türen nicht abgeschlossen haben", sagte er.

Generalstaatsanwalt Oscar Latorre rief Überlebende der Katastrophe auf, als Zeugen auszusagen. Eine direkt neben dem Supermarkt wohnende Frau berichtete, Feuerwehrleute hätten eine Mauer durchbrechen müssen, weil sie anders nicht in das Gebäude gekommen seien. Andere Nachbarn sagten, sie hätten schließlich Fensterscheiben eingeschlagen, um die eingeschlossenen Menschen zu befreien. Eine der Geretteten war die Kassiererin Esther Benitez. Sie sei zuerst zum Hauptausgang gerannt, der sei aber abgeschlossen gewesen, berichtete Benitez.

Ermittler untersuchen jetzt den Unglücksort. Ersten Hinweisen zufolge soll es sich bei der Brandursache um eine Gasexplosion in einer Restaurantküche gehandelt haben. Feuerwehrsprecher sagten, das Einkaufszentrum habe nicht über die vorgeschriebenen Sicherheitseinrichtungen verfügt.

Die Opferzahl der Katastrophe bezifferte ein Fernsehbericht gestern auf 364. Unklar ist jedoch, ob bei dem Brand nicht noch mehr Menschen umkamen. Die Zahl der Verletzten beläuft sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 256 Menschen, von denen noch 70 auf der Intensivstation lägen. Dem Fernsehbericht zufolge wurden dagegen 524 Menschen verletzt.



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