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Waldbrand-Katastrophe: Feuersbrunst nahe Atomanlage

Foto: Maxim Shipenkov/ dpa

Brandkatastrophe in Russland Feuer nähert sich Atomanlage

Nach einem Blitzschlag hat sich ein Waldbrand gefährlich nahe an die russische Atomanlage Sarow herangefressen. 2600 Feuerwehrleute kämpfen in dem Gebiet gegen die Flammen. Der lokale Zivilschutzminister spricht vor einer ernsten Gefahr.

Moskau - Die Waldbrände in Russland bedrohen erneut die Atomanlage in Sarow. Ein Feuer, das vor zwei Tagen nach einem Blitzeinschlag ausgebrochen war, habe sich ausgeweitet und stelle nun eine Gefahr für das atomare Forschungszentrum etwa 400 Kilometer östlich von Moskau dar, sagte der Chef des Zivilschutzministeriums der Teilrepublik Mordwinien, Wjatscheslaw Kormilizyn.

Zusätzliche Rettungskräfte wurden in die Gegend verlegt. Dort kämpfen nun mehr als 2500 Feuerwehrleute mit schwerem Gerät gegen die Flammen. Erst vor kurzem hatten die Behörden verkündet, die Brände rund um Sarow seien gelöscht worden.

In der Atomanlage befindet sich Gefahrgut, das nach einem früheren Waldbrand zunächst weggeschafft, nach einer scheinbaren Beruhigung der Lage aber wieder zurückgebracht worden war. Es gebe derzeit keine dringende Notwendigkeit, das Material wieder abzutransportieren, erklärte ein Sprecher der Atombehörde Rosatom.

Landesweit habe sich die Brandfläche seit dem Vortag jedoch um mehr als 15.000 Hektar verringert, sagte der Leiter des nationalen Krisenzentrums, Wladimir Stepanow. Es gebe einen positiven Trend. Allerdings standen weiterhin zehntausende Hektar Wald in Flammen. Die Waldschutzbehörde zählte 611 Brandherde, am Vortag waren es noch 545.

Eine potenzielle Gefahr stellen weiterhin Waldbrände in Gebieten dar, die bei der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 verseucht worden waren. Nach offiziellen Angaben wurden alle Brände schnell bekämpft. Erhöhte Strahlungswerte seien nicht festgestellt worden, hieß es. Der russische Wetterdienst erklärte, er habe Strahlungsexperten in die von der Tschernobyl-Katastrophe am stärksten betroffene Region Briansk entsandt, um dort ständig die Lage zu überwachen.

Putins Webcams zeigen Wiesen und Felder

Für Kritik sorgt das Auftreten von Wladimir Putin. Der russische Staatspräsident hatte sich mehrfach demonstrativ als Brandbekämpfer in Szene gesetzt. Unter anderem warf er vom Kopilotensitz eines Löschflugzeugs aus Tonnen von Wasser über den Flammen ab und ordnete die Einrichtung von Webcams an, um den Wiederaufbau der zerstörten Dörfer in sein Büro, seine Wohnung und auf seine Website übertragen.

Der Vize-Minister für Regionalentwicklung, Konstantin Korolewski, klagt nun darüber, dass die Kameras nur Wiesen und Felder, aber keine Bauarbeiten zeigten. Es sei "nicht immer klar, dass tatsächlich gearbeitet wird, und ob dies nach Plan geschieht", sagte Korolewski.

Das zuständige Informationsministerium konterte, die Kameras seien einfach schneller installiert worden, als die Arbeiten begonnen hätten. "Die Telekomexperten haben ihre Arbeit sehr viel schneller erledigt, als das Ministerium für Regionalentwicklung brauchte, um die Bauarbeiten anzufangen", erklärte das Ministerium. "Sobald die Arbeit wirklich aufgenommen wird, werden die Kameras auch auf die Baustellen gerichtet werden."

Festnahme von Menschenrechtler sorgt für Aufregung

Für Aufregung sorgte die Festnahme des russischen Menschenrechtlers Lew Ponomarjow. Der 68-Jährige war gemeinsam mit etwa 35 weiteren Demonstranten bei Protesten gegen den umstrittenen Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow in Gewahrsam genommen worden. Wegen Kreislaufproblemen musste er anschließend in eine Klinik gebracht werden. Ponomarjow müsse mehrere Tage ärztlich überwacht werden, hieß es. Nach Angaben seiner Anwältin Jelena Lipzer begleitete eine Polizeieskorte den Bürgerrechtler in die Klinik. Die Beamten hätten sich dort "wie zu Hause benommen", sagte Lipzer.

Regen bringt Abkühlung für Moskau

Die Menschen in Moskau konnten sich zuletzt immerhin über eine minimale Abkühlung freuen. In der Nacht regnete es stellenweise kräftig. Ein Ende der Hitzewelle mit Temperaturen von weit über 30 Grad ist aber nicht in Sicht. Am Nachmittag legte sich zudem wieder giftiger Qualm von den umliegenden Torfbränden über die Hauptstadt. Nach wie vor lodern in der Umgebung noch fast 30 Wald- und Torfbrände. Nach Angaben des Ministeriums für Notlagen sind dort rund 14.000 Feuerwehrleute im Einsatz.

kng/dpa/apn/AFP
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