Umgebautes Sommerhaus in Brasilien Möbel raus, Skatepark rein

Waschbecken abmontiert, Wände rausgerissen, Quarterpipe und Rampen eingebaut: Der Brasilianer Anselmo Arruda hat sein Haus zum Skatepark umfunktioniert. Es ist die Verwirklichung eines Traums - und die Bewältigung eines großen Verlustes.

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Als seine Eltern gestorben waren, musste Anselmo Arruda einen Weg finden, seine Trauer zu bewältigen. Er war allein, ein Teenager mit plötzlich viel Freiheit, auf die er gerne verzichtet hätte. Schließlich fand er ein Mittel, mit dem Verlust umzugehen: sein Skateboard.

Arruda, heute 31 Jahre alt, zog in das Sommerhaus seiner Familie im Küstenort Itanhaém, etwa 50 Kilometer südlich von São Paulo. Alleine hatte er in dem Haus mehr Platz, als er gebrauchen konnte. 2008 habe er begonnen, Möbel wegzuschaffen, um mehr Platz zum Skaten zu haben, sagt er. Die Möbel wurden immer weniger. Der Skatepark wurde immer größer. Irgendwann riss Arruda Wände ein und montierte die Spüle und Waschbecken ab.

Er baute Quarterpipes und Rampen aus Mauerresten. Ein Freund verzierte die Wände mit einem Graffito. Hunderte sollten folgen. Inzwischen ist das Gebäude als "Höhlen-Haus" bekannt - auch, weil sich Fledermäuse eingenistet haben.

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Haus in Brasilien: Mit dem Skateboard durchs Fenster

Skateboarden habe sein Leben gerettet, sagte Arruda. "Nach dem Tod meiner Eltern war ich ein Jugendlicher, ich habe mich von meiner Familie entfremdet und bin zu diesem Haus gekommen. Und ich habe begonnen zu skaten, weil ich das schon immer mochte." So habe er den Schicksalsschlag überwunden. Diese positive Erfahrung wolle er mit anderen teilen.

Inzwischen ist das Haus zu einem inoffiziellen Kulturzentrum geworden. Arruda begrüßt nicht nur Skater aus dem Großraum São Paulo, sondern auch Graffiti-Künstler und Musiker. Inzwischen ist Arruda ausgezogen. Er bietet für Kinder kostenloses Skateboard-Training an - und fährt selbstverständlich auch selbst noch.

"Ich hatte die Chance, meinen Traum zu verwirklichen. Ich träume immer davon, auf einem Skateboard aufzuwachen, nichts anderes zu tun, bevor ich skaten gehe, einfach mein Schlafzimmer zu verlassen und loszufahren."

ulz/Reuters

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