Braunbär Finnlands bester Suchhund auf Brunos Spur

Die Suche nach dem Braunbären Bruno in Bayern wird intensiviert. Jetzt unterstützt der Superstar unter den finnischen Bärensuchhunden, Raiku I, das Expertenteam. Bis nächsten Sonntag soll der Bär dingfest gemacht werden.


Kochel - Raiku I und sein Hundeführer unterstützen ab sofort den Suchtrupp, teilte der bayerische Bärenbeauftragte Manfred Wölfl heute in Kochel am See mit. Nach Auskunft des Expertenteams gebe es in ganz Finnland keinen für die Bärensuche besser geeigneten Hund als Raiku I. Damit können jetzt fünf Bärenfänger und sechs Hunde der Spur des Raubtiers folgen.

Finnischer Bärenjäger mit Suchhund: Seit heute unterstützt Raiku I das Team
AP

Finnischer Bärenjäger mit Suchhund: Seit heute unterstützt Raiku I das Team

Der Braunbär ist nach seinem Streifzug durch den oberbayerischen Luftkurort Kochel am See allerdings vorerst wieder verschwunden. Laut Wölfl wurden in der vergangenen Nacht keine neuen Spuren entdeckt.

Zuletzt war Bruno in der Nacht zum Samstag in Kochel am See gesichtet worden, wo er durch den Ort streifte. Dort war er einem Spaziergänger in 20 Meter Entfernung begegnet, der seinen Hund ausführte. Der Spaziergänger und der Bär zogen sich zurück, trafen sich aber hinter einem Haus erneut. Dann flüchtete der Bär. Um 0.35 Uhr sahen ihn Einwohner vom Balkon aus, wie er sich vor die Polizeiwache von Kochel setzte und dann in Richtung Wald trollte. Zwischenzeitlich hatte er einen Bienenstock geplündert, einen Hasenstall aufgebrochen und einen Hasen sowie ein Meerschweinchen getötet.

Wegen starken Regens verloren die finnischen Suchhunde die Witterung des Bären allerdings. Das Suchteam kann erst wieder aufbrechen, wenn eine neue Spur des Tiers entdeckt wird.

Das bayerische Umweltministerium dringt jetzt auf eine Lösung bis kommenden Sonntag. "Dieser Bär muss schnell aus aus der freien Wildbahn genommen werden, weil er ein potenzielles Risiko ist", sagte der Leiter der Naturschutzabteilung, Christoph Himighofen, heute. Die österreichische WWF-Sprecherin Susanne Grof warnte: "Wenn er denkt, dass man ihm den Weg abschneidet, wird der Bär angreifen."

Bisher sei die oberste Priorität gewesen, ihn zu fangen. "Aber wir müssen jetzt möglichst schnell zu einer Lösung kommen, das heißt den Bären aus der Natur nehmen", sagte Himighofen. Über weitere Schritte werde das Ministerium mit Experten am Montag beraten.

Der bayerische Bärenanwalt Manfred Wölfl sagte, Brunos Flucht "zeigt, dass er wirklich Respekt vor Menschen hat". Er  warnte aber zugleich: "Dieser Bär ist ein Risiko. Nicht weil er aggressiv auf Menschen zugeht, sondern weil er im Siedlungsraum Futter sucht und jetzt wieder eine positive Erfahrung gemacht hat. Das ist erschreckend für uns."

WWF-Sprecherin Susanne Grof sagte: "Der ist außerhalb von jedem Schema." Wer dem Bären begegne, solle ruhig bleiben und ihn nicht bedrängen. Der Kocheler Bürgermeister Werner Englert sagte, es herrsche keine Panik, aber erhöhte Vorsicht. "Wen was passiert, wird man sich die Frage stellen, warum man nicht früher was unternommen hat."

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" kostete die Bärenjagd die Umweltstiftung WWF mittlerweile über 100.000 Euro. "Damit ist der Jahresetat des österreichischen Bären-Schutzprogramms gesprengt", sagte Beate Striebel vom WWF in Österreich dem Blatt. Auch der Steuerzahler wird zur Kasse gebeten. Bayern und Tirol tragen laut WWF die Kosten für die finnischen Bären-Hunde, die bisher bei etwa 25.000 Euro liegen.

ler/AFP/ddp/dpa



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