Bremer Rathaus "DSDS" muss draußen bleiben

Dieter Bohlen darf seine gefürchteten Urteile nicht im Bremer Rathaus verkünden: Bürgermeister Jens Böhrnsen will nicht, dass das alte Gebäude für ein Casting von "Deutschland sucht den Superstar" genutzt wird. Der Poptitan gibt sich grummelig - er wäre sowieso lieber nach Oldenburg gegangen.

Bremen - Dieter Bohlen und das Casting für die nächste Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) sind im Bremer Rathaus nicht erwünscht. Das hat die Rathausverwaltung auf Anfrage von Organisatoren der Sendung entschieden. Ein Sprecher bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht des "Weser Kurier". Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) erklärte, der hämische und beleidigende Stil des Wettbewerbs passe nicht zum Rathaus, da die Kandidaten von der Jury "gezielt erniedrigt" würden.

Bohlen reagierte verärgert. "Es gibt genug Bürgermeister, die sich freuen, wenn wir kommen", sagte das DSDS-Jurymitglied dem Online-Portal "Bild.de". Bohlen fügte hinzu: "Ich wäre sowieso lieber nach Oldenburg gegangen. Da bin ich geboren, und da gefällt es mir sowieso besser."

RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer reagierte gelassen: "Ob wir nach Bremen gehen, steht sowieso noch nicht fest. Wir fragen derzeit viele Städte und Locations an, um die Castingtour zu planen", erklärte sie. Es werde auf jeden Fall ein Casting im norddeutschen Raum geben, "zu dem natürlich auch alle Bremer Gesangstalente herzlich einladen sind".

Bürgermeister Böhrnsen kritisierte, in "DSDS" würden die Kandidaten "vor einem Millionenpublikum mit Häme, Spott und Beleidigungen überzogen und lächerlich gemacht". Die Kommission für Jugendschutz der Landesmedienanstalten sei zum Schluss gekommen, dass beleidigende Äußerungen und antisoziales Verhalten in der Sendung als Normalität hingestellt würden. Die Bremer Bemühungen um eine von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägte Jugendkultur würden durch ein solches Sendeformat geradezu konterkariert, so Böhrnsen.

Das Casting für die RTL-Show sollte laut "Weser-Kurier" in der Oberen Rathaushalle stattfinden. Das Konzept der Sendung passe aber nicht zum schönsten Saal im ehrwürdigen Rathaus, das zum UNESCO-Welterbe zähle, sagte der Bürgermeister.

Bohlen konterte mit den Worten: "Ich finde es sehr seltsam, wenn Politiker glauben, sie könnten ihren Wählern sagen, was sie gut und schlecht finden sollen. Bei uns kommen die Leute freiwillig, weil sie Spaß an der Sendung haben." Diesen Spaß habe der Bürgermeister seinen Bremern jetzt genommen.

han/AP/dpa

Mehr lesen über