Bremsversagen Zug stürzt in Schlucht, Dutzende Tote

Bei einem Zugunglück in Montenegro sind mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. 135 Insassen wurden verletzt. Der Zug entgleiste, nachdem die Bremsen versagt hatten. Die Waggons stürzten eine steile Uferböschung hinab.


Abgestürzter Waggon: Medien sprachen vom schlimmsten Zugunglück in der Geschichte des Landes
REUTERS

Abgestürzter Waggon: Medien sprachen vom schlimmsten Zugunglück in der Geschichte des Landes

Bioce - Die Regierung bestätigte nach einer Sondersitzung am Abend zunächst 39 Todesopfer. "Das ist aber noch keine endgültige Zahl", betonte der stellvertretende Regierungschef Miroslav Ivanisevic. Unter den 135 Verletzten seien 75 Kinder.

Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, Blut zu spenden. Hunderte stellten sich sofort zur Verfügung. Das örtliche Krankenhaus hatte zuvor alle Patienten mit leichteren Erkrankungen nach Hause geschickt, um Platz für die Verletzten des Unglücks zu schaffen.

Der Zug entgleiste nahe der Stadt Bioce, die im Umland der montenegrinischen Hauptstadt Podorica liegt. Die Polizei erklärte, der Zug sei gegen 16 Uhr aus einem Tunnel über dem Fluss Moraca gefahren und dann eine 100 Meter tiefe Schlucht hinab gestürzt. Auch ein Untersuchungsrichter bestätigte der Nachrichtenagentur AP, alle Waggons seien abgestürzt. Zuvor war lediglich von zwei bis vier Wagen gesprochen worden.

Laut Innenminister Jusuf Kalamperovic ließ ein Fehler des Bremssystems den Zug entgleisen. Er kündigte eine eingehende Untersuchung an. Der montenegrinische Verkehrsminister Andrija Lompar trat als Reaktion auf das Unglück von seinem Amt zurück.

Etwa zehn Rettungswagen und Hubschrauber waren im Einsatz, um Verletzte in die Krankenhäuser von Podgorica zu transportieren. Die Bergungsarbeiten wurden durch Dunkelheit und dicht stehende Bäume erschwert. Polizisten, Sanitäter und freiwillige Helfer bargen Zuginsassen und trugen sie auf Tragbahren oder in ihren Armen davon. Der Zug kam aus Bijelo Polje im Norden des Landes und war in die Hauptstadt unterwegs.



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