Britisches Atom-U-Boot Schlepper macht "HMS Astute" wieder flott

Das modernste Atom-U-Boot der Royal Navy ist wieder flott. Ein Schlepper hat die "HMS Astute" mit auflaufender Flut in tieferes Wasser bugsiert. Zuvor hatte das Unterseeboot stundenlang vor der schottischen Küste auf Grund gelegen.
Britisches Atom-U-Boot: Schlepper macht "HMS Astute" wieder flott

Britisches Atom-U-Boot: Schlepper macht "HMS Astute" wieder flott

Foto: AP/ Royal Navy

London/Edinburgh - Sie ist das modernste und teuerste Atom-U-Boot, das die britische Marine je gebaut hat. Stealth-Beschichtung, komplexe Kommunikations- und Abhöreinrichtungen, bewaffnet mit Torpedos und Raketen - die "HMS Astute" ist wahrlich ein furchterregendes Stück Technik.

Doch wie es scheint, war diesem waffenstarrenden, 3,5 Milliarden Pfund teuren Stahl-Ungeheuer ausgerechnet ein Kiesbett vor der schottischen Küste zum Verhängnis geworden. Das Unterseeboot dümpelte am Freitag stundenlang vor der Isle of Skye auf Grund, bevor es am Abend mit auflaufender Flut von einem Schlepper der Küstenwache in tieferes Wasser bugsiert werden konnte.

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Vor Schottland: Atom-U-Boot auf Grund gelaufen

Foto: Andy Buchanan/ AFP

Über mögliche Schäden am Boot war zunächst nichts bekannt. Die "HMS-Astute" hatte aus bisher nicht bekannten Grünen auf einer Testfahrt einen mit Bojen gekennzeichneten Korridor verlassen und war auf eine Kiesbank aufgelaufen. Zuerst war angenommen worden, es habe einen Felsbrocken gerammt.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde bei dem Unfall niemand verletzt. Aus dem von einem Kernreaktor angetriebenen U-Boot sei keine Radioaktivität ausgetreten.

Schlimme Woche für die Royal Navy

Für die Royal Navy und die gesamte britische Armee war der Unfall das i-Tüpfelchen auf einer schlimmen Woche. Erst am Dienstag hatte die Regierung drastische Sparpläne vorgestellt. Die Armee wird 42.000 Bedienstete verlieren, darunter 17.000 Soldaten.

Das Flaggschiff der Navy, der Flugzeugträger "Ark Royal", soll vorzeitig außer Dienst gestellt werden - die Instandhaltung ist zu teuer. Der geplante Bau von sechs Schwesterschiffen der "Astute" wird zeitlich nochmals gestreckt. Stattdessen sollen Boote der Vanguard-Klasse länger Dienst tun.

Und nun auch noch dieser peinliche Unfall - einen Tag, nachdem die Briten noch voller Stolz das glorreichste Ereignis der Royal Navy gefeiert haben: den Sieg in der Seeschlacht von Trafalgar am 21. Oktober 1805.

Doch für die Nelson-Nachfahren erwies sich jetzt offenbar eine simple Untiefe als zu großes Hindernis. Ein Augenzeuge sagte der BBC: "Ich habe mich gewundert, wie weit die an die Küste heranfahren. Es sind doch gute Bojen da."

Laut einem Bericht der englischen Tageszeitung "Daily Telegraph" hatte die Mannschaft Seeleute auf der Isle of Skye abgesetzt.

"Hier geht alles von allein"

Erst vor kurzem hatte sich der Kommandant des Schiffs in der BBC stolz über das vollelektronische Navigationssystem geäußert. "Hier geht alles von allein, hier wird nichts mehr wie früher per Hand gesteuert", hatte er dort gesagt.

Die "Astute" ist das Flaggschiff eines milliardenschweren U-Boot-Programms, das noch von der Labour-Regierung in Großbritannien ins Leben gerufen wurde, dessen volle Verwirklichung inzwischen jedoch fraglich ist.

Das Boot war 2007 fertig geworden und kostete 3,5 Milliarden Pfund (rund 4 Milliarden Euro). Es wiegt 7800 Tonnen und ist fast hundert Meter lang. Nach Angaben der BBC soll es erst im kommenden Jahr im regulären Dienst eingesetzt werden. Die Fahrt könnte ein Test dafür gewesen sein, hieß es.

Das Schiff kann bis zu 38 Torpedos des Typs Spearfish sowie Tomahawk-Raketen tragen. Damit können sowohl Ziele unter Wasser, auf See und an Land angegriffen werden.

Doch die eigentliche Stärke der "Astute" liegt in ihrer Unsichtbarkeit. Ihre spezielle Oberflächenhaut erlaubt es ihr, sich unhörbar an feindliche Schiffe oder U-Boote anzuschleichen. Mit modernster Abhörtechnik ausgerüstet, kann sie tagelang unerkannt in der Tiefe lauern und etwa den Mobilfunk anzapfen.

Schon kurz nach der Schiffstaufe - vorgenommen von Prinz Charles' zweiter Frau Camilla - hatte es erst Probleme gegeben. Die Gummikacheln des Bootes gerieten in Brand. Auch in diesem Fall weiß keiner genau, wie das passieren konnte.

2002 war das U-Boot "HMS Trafalgar" ebenfalls vor der schottischen Küste, ebenfalls in der Nähe der Isle of Skye, auf Grund gelaufen. Zwei Offiziere mussten damals gehen, weil ihnen Fahrlässigkeit nachgewiesen wurde.

Im Februar 2009 stieß ein mit Atomraketen bestücktes U-Boot der britischen Vanguard-Klasse im Atlantik mit einem französischen Unterseeboot zusammen.

kng/dpa
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