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09. Februar 2002, 11:46 Uhr

Britisches Königshaus

Tod einer unglücklichen Prinzessin

Einst war sie das Glamour-Girl des britischen Königshauses, skandalumwoben, von unglücklicher Liebe zerrissen. Zwei Schlaganfälle fesselten sie an den Rollstuhl. Nun verstarb die britische Prinzessin Margaret, die Schwester der Queen, in London.

Die verstorbene Prinzessin Margaret im vergangenen Jahr
DPA

Die verstorbene Prinzessin Margaret im vergangenen Jahr

London - Die einst schillerndste Figur im britischen Königshaus ist tot: Prinzessin Margaret, die jüngere Schwester von Königin Elizabeth, starb am Samstag im Alter von 71 Jahren in London. Sie sei "friedlich eingeschlafen", teilte der Buckingham Palast mit - ihre Kinder Lord Linley und Lady Sarah Chatto seien bei ihr gewesen. Bereits am Vortag hatte Prinzessin Margaret einen Schlaganfall erlitten, in der Nacht zum Samstag habe sie Herz-Kreislaufprobleme bekommen und sei gegen 3.30 Uhr ins Krankenhaus gebracht worden.

Margaret rührte in jungen Jahren mit ihrer unglücklichen Liebesbeziehung zu Peter Townsend Millionen Menschen und brachte der Boulevard-Presse schon lange vor Prinzessin Diana hohe Auflagen ein. Die strenge anglikanische Kirche wollte nicht dulden, dass die Schwester der Königin einen bereits einmal geschiedenen Mann heiratet, ihre erste große Liebe. Auch der damalige Premier Winston Churchill war gegen die Heirat.

Die Prinzessin mit den traurigen Augen

Die Prinzessin war 22 Jahre alt, als sie sich in den Luftfahrtattache Townsend verliebte. Kurz zuvor war er zum Adjudanten der königlichen Familie ernannt worden. Zwei Jahre wurde über eine mögliche Hochzeit verhandelt. Doch der Widerstand von Kirche und Regierung war eisern. Die Prinzessin gab schließlich 1955 bekannt, sie werde angesichts der Haltung der Kirche und ihrer Verpflichtungen als Mitglied des Königshauses Townsend nicht heiraten. Mit tränenerstickter Stimme verlas sie im Radio einen Abschiedsbrief. Von da an war sie für ihre Fans die Prinzessin mit den traurigen Augen.

Margaret machte Elizabeths Privatsekretär, Sir Allan Lascelles, für das Scheitern ihrer Liebe verantwortlich und vergab ihm nie. Wenn sie ihm im Kensington-Palast begegnete, sagte sie: "Da geht der Mann, der mein Leben ruiniert hat."

Affären, Alkohol, ein Selbstmord

Fünf Jahre später heiratete Margaret den Fotografen Anthony Armstrong Jones, den die Queen als Lord Snowdon in den Adelsstand erhob. 300 Millionen Menschen verfolgten am Fernseher die prachtvolle Trauung, die königliche Braut strahlte. Einige Zeit schien es, als habe sie das Glück wiedergefunden. Snowdon führte sie in die schräge Welt der Londoner Künstler ein, sie begeisterte sich für Partys, Musik und Theater. Zwei Kinder werden geboren: David 1961 und Sarah 1964.

Doch die Ehe der beiden als überaus temperamentvoll und unbeständig geschilderten Charaktere geriet schon bald in Schwierigkeiten. Snowdown empfindet das von Protokollarien geprägte Leben zunehmend als belastend, der Mann bricht aus. Nächtelang feiert er mit Fotomodellen, während Margaret immer öfter zur Whiskeyflasche greift oder sich von prominenten Männern ausführen lässt.

Dann fliegt die erste Affäre auf: Margaret gibt sich dem Jazzpianisten Robin Douglas-Home hin, einem Neffen des ehemaligen Premiers Sir Alec Douglas-Home. Sie lässt ihn fallen, er nimmt sich aus Verzweiflung 1968 das Leben.

Die Prinzessin lässt sich mit weiteren Männern ein. 1973 traf sie den 17 Jahre jüngeren Roderic Llewellyn, genannt "Roddy". Das Paar wird auf wilden Festen gesehen. Gerüchte machen die Runde, sie habe auch Kokain probiert. Die Presse veröffentlicht Fotos von einem Urlaub der beiden auf der Karibikinsel Mustique. Zur Hochzeit hatte sie eine Villa auf dem Prominenteneiland als Geschenk bekommen. Einer ihrer Nachbarn ist der Rolling-Stones-Musiker Mick Jagger.

Stets eine Whiskeyflasche in der Handtasche

Der Palast gab danach die Trennung Margarets von Lord Snowdon bekannt; die Ehe wurde 1978 aufgelöst. Margaret trennte sich 1980 von Llewellyn, ihre Exzesse entsetzten weiter ihre Landsleute. In ihrer Handtasche soll sie stets eine Whiskeyflasche herumgetragen haben, drei bis vier Schachteln Zigaretten rauchte sie pro Tag.

Die Schwester der Queen im Jahre 1954: Ihre Liebeleien sorgten für viel Wirbel
EPA/DPA

Die Schwester der Queen im Jahre 1954: Ihre Liebeleien sorgten für viel Wirbel

Schon seit mehreren Jahren plagten sie Gesundheitsprobleme. Ihr Gesicht war aufgedunsen, die Augen verloren ihren Glanz. 1985 wurde ihr ein Teil des linken Lungenflügels entfernt, 1998 erlitt sie erstmals einen Schlaganfall. Ein Jahr später zog sie sich bei einem Unfall auf Mustique schwere Verbrühungen an Beinen und Füßen zu. "Sie leidet unter Depressionen, hat keinen Lebenswillen mehr", schrieb eine britische Zeitung, "es ist traurig mitanzusehen, wie Englands einst schönste Rose jetzt verblüht."

Prinzessin Margaret Rose war die zweite Tochter des späteren Königs Georg VI. von England und seiner Gemahlin, der heute 101-jährigen Königinmutter Elizabeth Bowes-Lyon. Sie wurde am 21. August 1930 in Glamis in Schottland geboren.

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