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Klüger werden mit: Bruce Jacobs

Der 48-jährige US-Autor über den Rassismus in seinem Land
aus DER SPIEGEL 43/2003

SPIEGEL: In Ihrem Buch »Race Manners« beschreiben Sie die USA als eine zutiefst rassistische Gesellschaft. Wie erleben Sie selbst die alltägliche Diskriminierung?

Jacobs: Der Sitz neben mir in einer vollen U-Bahn bleibt oft leer, obwohl ich alles andere als eine ungepflegte Erscheinung bin. Ich beobachte, wie weiße Frauen in meiner Nähe automatisch ihre Handtaschen fester umklammern, oder höre an einer Kreuzung die Zentralverriegelung wartender Autos klicken. Auch 40 Jahre nach Aufhebung der Rassentrennung gibt es noch eine instinktive, irrationale Angst vor dem schwarzen Mann.

SPIEGEL: Die Statistiken sagen, dass Schwarze proportional häufiger kriminell werden als Weiße.

Jacobs: Stimmt. Aber die Chance, Opfer eines weißen Verbrechers zu werden, ist, in absoluten Zahlen gemessen, wesentlich höher. Trotzdem gibt es keine instinktive Angst vor dem weißen Mann.

SPIEGEL: Warum nicht?

Jacobs: Die Amerikaner sind geprägt von 400 Jahren Unterdrückung. Unsere Medien schüren Rassismus, schwarze Kriminelle sind für sie »Predators«, bösartige Raubtiere. Viele Leute glauben, dass der Rassismus in den USA in den vergangenen Jahrzehnten nachgelassen hat. In Wahrheit sind die Schwarzen immer noch ein Feindbild, das ablenken soll von Dingen wie dem Enron-Korruptionsskandal oder der Unfähigkeit der Regierung, die Wirtschaft in Gang zu bringen.

SPIEGEL: Hatten Sie es als Student in Harvard schwer?

Jacobs: Eigentlich nicht. Ich kam nach Harvard, als man dort gerade beschlossen hatte, politisch korrekt zu sein und mehr Schwarze aufzunehmen. So gesehen bin ich eine Art Quotenschwarzer.

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