Brunos Abschuss "Bärentöter Schnappauf soll seinen Hut nehmen"

Kurz und schmerzlos sei er gewesen, der Tod des Braunbären Bruno, heißt es aus Bayerns Umweltministerium. Für den Minister hagelt es dennoch Kritik, die SPD fordert gar den Rücktritt. Das Fell des berühmten Bären soll nun ins Museum kommen.

München - Der bayerische Umwelt-Staatssekretär Otmar Bernhard (CSU) hat den Abschuss des Braunbären Bruno verteidigt. Aus Sicht des Artenschutzes sei der Tod des Bären "außerordentlich bedauerlich", in Abwägung von Sicherheit und Artenschutz sei aber keine andere Möglichkeit geblieben, sagte Bernhard. Für die Bevölkerung habe eine so große Gefahr bestanden, dass es nicht mehr vertretbar gewesen sei, das Raubtier in der Natur zu lassen. "Und da die Fangbemühungen gescheitert sind, kam nur eine Erlegung in Frage", sagte der CSU-Politiker.

Der Bär wurde laut Bernhard heute Morgen gegen 4.50 Uhr im Rotwandgebiet oberhalb des Spitzingsees aus einer Entfernung von 150 Metern erlegt. Die nötige Abschussverfügung sei zuvor wieder in Kraft gesetzt worden. Drei Jäger waren losgeschickt worden, nachdem der Wirt einer Berghütte im Rotwandgebiet den Bären gesichtet und die Polizei alarmiert hatte.

Das bayerische Umweltministerium muss wegen der Abschussgenehmigung sowohl von Umweltschützern als auch von Politikern herbe Kritik einstecken. So forderte die bayerische SPD den Rücktritt des Umweltministers Werner Schnappauf (CSU): "Der politisch verantwortliche Bärentöter Schnappauf hat als Umweltminister versagt und sollte seinen Hut nehmen", erklärte der Umweltsprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ludwig Wörner. SPD-Fraktionschef Franz Maget kündigte an, den Vorgang juristisch überprüfen zu lassen: "Die Abschussgenehmigung war ein Fehler und widerspricht möglicherweise dem Gesetz." Auch der Deutsche Tierschutzbund will nun rechtliche Schritte prüfen.

Der Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat dagegen Verständnis für seinen bayerischen Kollegen Schnappauf. Er hätte an dessen Stelle wohl nicht anders gehandelt, räumte Gabriel ein. Allerdings sagte er auch: "Mir ist nicht klar, warum man ihn nicht betäuben konnte." Erstaunlich sei, dass der Bär wochenlang von Jägern, die ihn betäuben wollten, nicht habe gestellt werden können. Kurz nach dem Ende der Fangversuche habe er jedoch getötet werden können.

Um ihn zu betäuben, hätte allerdings ein Tierarzt sich auf 30 bis 45 Meter nähern müssen. In dem Gelände sei dies nicht möglich gewesen, erklärte das bayerische Umweltministerium - was allerdings von manchen Bärenfreunden in Schliersee offen bezweifelt wird. In der bei Touristen beliebten Gemeinde, die in der Nähe des Abschussortes liegt, kochen in den Stunden nach dem tödlichen Schuss die Gefühle hoch. "In den Köpfen der zivilisierten Menschen möge sich was ändern", fordert Bürgermeister Toni Scherer. Die Todesstrafe sei in Deutschland lange abgeschafft, da hätte auch der Braunbär nicht so einfach erlegt werden dürfen.

Der Bär soll nun ins Museum

Auch im Internet trauert man um den Bären. "Wir werden Dich nie vergessen", schreibt der Veranstalter des Online-Spiels www.brunoderbaer.de, bei dem es darum geht, den Bär zu betäuben. Auf seiner Seite hat der Betreiber nun einen Kondolenz-Blog eingerichtet.  Auch Kuschelbärfreunden wird Trauerhilfe geboten: Die Firma "Steiff" wird ihre Teddy-Sonderedition "Bruno" künftig mit Trauerflor ausliefern.

Der Kadaver wird nach Angaben des Umweltministeriums nun wissenschaftlich untersucht. Dabei sollten Gesundheitszustand, Körpermaß und Gewicht festgestellt sowie die Identität genetisch überprüft werden. Anschließend werde Bruno präpariert und im Museum "Mensch und Natur" im Schloss Nymphenburg in München ausgestellt, hieß es. In dem Museum steht bereits der letzte vor rund 170 Jahren in Bayern erlegte Braunbär.

Der Bär, der aus Italien stammt und die offizielle Bezeichnung JJ1 trägt, war Mitte Mai dieses Jahres das erste Mal in Deutschland gesichtet worden. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen hatte er mehrere Schafe gerissen, anschließend überfiel er in Bayern auch Hühner- und Hasenställe, räumte Bienenstöcke aus und tötete immer wieder Schafe. In den vergangenen Wochen legte Bruno Ministeriumsangaben zufolge mehr als 300 Kilometer zurück und durchstreifte eine Fläche von 6000 Quadratkilometern.

str/dpa/ddp/AP
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