Bundesamt für Luftfahrt Überprüfung aller Airbusse angeordnet

Als Konsequenz aus dem Absturz eines Airbusses A300 über New York hat das Luftfahrtbundesamt (LBA/Braunschweig) die Überprüfung der in Deutschland zugelassenen Flugzeuge vom Typ Airbus A300-600 sowie des etwas kleineren A310 angeordnet.


Queens: Das Heckteil des abgestürzten Airbus A300 wird geborgen
DPA

Queens: Das Heckteil des abgestürzten Airbus A300 wird geborgen

New York - Braunschweig - Nach dem Angaben einer LBA-Sprecherin haben die Luftfahrtgesellschaften 15 Tage Zeit, der Anweisung nachzukommen.

Die Mitteilung sei analog zu den Anordnungen anderer Länder verfasst. Die Luftfahrtbehörden hätten, wie immer in solchen Fällen, weltweit eng mit der federführenden französischen Behörde zusammengearbeitet. In Deutschland sind 14 Maschinen vom Typ A300-600 und 12 Flugzeuge vom Typ A310 zugelassen. Angaben zu den Haltern machte das LBA nicht.

Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN ergab die Auswertung des Flugdatenschreibers des über New York abgestürzten A300, dass der Airbus kurz vor der Katastrophe zweimal in Turbulenzen eines vorausfliegenden Flugzeuges geraten war. In den letzten acht Sekunden vor dem Absturz hätten die Piloten offensichtlich noch versucht gegenzusteuern. Die Elektronik des Seitenleitwerks übermittelte jedoch nur noch unverwertbare Informationen an den Datenschreiber.

Die Ermittlungen weisen auf einen möglichen Materialdefekt am Seitenleitwerk als Unglücksursache hin. Nach den Worten der Direktorin der Nationalen Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB), Marion Blakey, sind Luftturbulenzen für Piloten nichts Außergewöhnliches. Daher versuche man nun herauszufinden, welche anderen Faktoren zum Absturz beigetragen haben könnten. NTSB-Ermittler George Black ergänzte, es gebe bislang keine Hinweise auf Sabotage.

Alle A300 werden überprüft

Die US-Luftfahrtbehörde FAA will alle verbliebenen Flugzeuge dieses Typs auf ein Risiko mit dem Seitenleitwerk inspizieren lassen. FAA-Experten wollten voraussichtlich am Freitag einen Zeitplan und technische Anweisungen für die Inspektion vorlegen.

Der FAA zufolge sind in den USA insgesamt noch knapp 90 Flugzeuge vom Typ Airbus A300 im Einsatz. Über 34 Maschinen verfüge die Gesellschaft American Airlines, die die Inspektion ihrer Maschinen bereits angeordnet hatte. Die anderen verteilen sich auf Transportgesellschaften. FedEx und UPS haben 36 beziehungsweise 18 A300 im Einsatz. Ungeklärt ist bisher noch, ob sich die Inspektion auch auf andere Modelle des Airbus ausdehnen könnte, deren Seitenleitwerk ebenfalls aus einem Verbundwerkstoff gefertigt ist.

Materialschwäche durch frühere Turbulenzen?

Nach Angaben der Nationalen Transport- und Sicherheitsbehörde (NTSB) ist in der Geschichte der Luftfahrt bisher nur ein einziger Fall bekannt, in dem sich das Seitenleitwerk vom Rumpf löste. NTSB-Ermittler Black sagte am Donnerstag, dass eine B52 der US Air Force in den sechziger Jahren beim Testflug die Heckflosse verlor. Bei jenem Flug war das Verhalten der Maschine unter dem Einfluss extremer Turbulenzen geprüft worden.

Der Airbus riss bei dem Unglück vom Montag alle 260 Menschen an Bord der Maschine mit in den Tod. Einem Bericht des Nachrichtensenders CNN zufolge war das jetzt abgestürzte Flugzeug 1994 über der Karibikinsel Martinique schon einmal in schwere Turbulenzen geraten. Dabei hätten 47 Passagiere Verletzungen erlitten. Experten schlössen nicht aus, berichtete CNN, dass eine gewisse Materialschwäche von diesem Vorfall zurückgeblieben sein könnte.

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