Tebartz-van-Elst-Skandal Kanzlerin Merkel warnt vor großer Belastung für Kirche

Die Kritik am Skandalbischof Tebartz-van Elst reißt nicht ab. Die scheidende Grünen-Chefin Roth kritisierte die "Prunksucht" des Klerikers. Auch Bundeskanzlerin Merkel verfolgt die Entwicklung: Die Situation in Limburg sei eine große Belastung für die katholische Kirche.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: Belastung für die katholische Kirche
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Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: Belastung für die katholische Kirche


Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich kritisch zur Affäre um den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geäußert. Im Bistum Limburg sei für jeden erkennbar eine sehr schwierige Situation entstanden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Für die katholischen Christen dort und ihre Kirche sei das "eine große Belastung".

Tebartz-van Elst steht wegen seiner 31 Millionen Euro teuren Bischofsresidenz in Limburg und seinem verschwenderischen Lebensstil massiv unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft deswegen Vorwürfe der Untreue gegen ihn. Zudem läuft gegen den Geistlichen ein Verfahren wegen des Verdachts der Falschaussage.

Ab Montag will der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in Rom mit Papst Franziskus über die Zukunft des Bischofs beraten. Er kündigte ein zügiges Handeln an. "Der Druck ist für mich sehr hoch, denn die Leute warten auf Klarheit", sagte Zollitsch. "Es ist zweifellos auch eine Frage der Glaubwürdigkeit, das werden wir bedenken." Gleichzeitig warnte er jedoch vor Schnellschüssen. Die Ermittlungen verfolge er "aufmerksam und auch mit großer Sorge", sagte Zollitsch. "Ich bin mir aber sicher, dass sich der Bischof von Limburg gründlich und auch mit der notwendigen Selbstkritik mit dieser Entwicklung auseinandersetzt."

Auch Tebartz-van Elst reiste für Gespräche in den Vatikan. Ob er dabei den Pontifex treffen wird, ist unklar. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte vor Journalisten, wie jeder wisse, treffe der Papst viele Menschen. Er wisse nicht, ob der Papst mit Tebartz-van Elst zusammenkommen werde.

Zu den laufenden Beratungen im Vatikan sagte Seibert: "Da hat die Bundesregierung selbstverständlich keinerlei Hinweise oder Ratschläge zu geben. Aber ich darf schon die Hoffnung ausdrücken, dass es eine Lösung für die Gläubigen sein wird, für das Vertrauen der Menschen in ihre Kirche."

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Skandalbischof Tebartz-van Elst: Spendengift für die Caritas

Die Kritiker aus den politischen Reihen nehmen zu. Auch die scheidende Grünen-Parteichefin Claudia Roth hat den 53-Jährigen scharf kritisiert. "Prunksucht in diesem Ausmaße" stehe in krassem Widerspruch zum Namen des neuen Papstes, sagte Roth in Berlin. Der Name Franziskus sei Programm: "Franz von Assisi hat ganz andere Werte vertreten als Reichtum, Prunksucht und Eigeninteresse. Ich glaube, das passt überhaupt nicht zusammen."

Spendengift für Caritas

Zuvor hatte sich bereits der Chef des Deutschen Caritasverbandes kritisch zur Causa Tebartz-van Elst geäußert. Das Betragen des Bischofs wirke sich negativ auf die Spendenbereitschaft seiner Mitglieder aus, sagte er in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Außerdem kratze es am Image der Kirche.

Zollitsch hatte ebenfalls Befürchtungen geäußert, das Verhalten des Bischofs schade dem Ruf der Kirche. "Wir haben ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsproblem. Und die Kirche in Deutschland trägt den Schaden", sagte Robert Zollitsch der "Bild"-Zeitung.

Wann die Gespräche in Rom stattfinden, ist unklar. Es dürften jedoch wenig angenehme Unterhaltungen für den umstrittenen Bischof werden. Tebartz-van Elst hatte die Vorwürfe der Prunksucht und Verschwendung stets von sich gewiesen. Seine Glaubwürdigkeit bröckelte am Wochenende jedoch weiter, nachdem bekannt wurde, dass er offenbar sowohl vom Architekten des Skandalbaus als auch von der Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG über die Kosten informiert worden war. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge verschleierte Tebartz-van Elst die Kosten möglicherweise sogar absichtlich.

gam/dpa

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paulahner 14.10.2013
1. Selbstzerlegung ...
Es sorgt Frau Merkel schon, wenn sich die Säulen der Gesellschaft selbst diskreditieren und demontieren. Dummerweise wird es noch dauern, bis sich die Kirche und Parteien so weit in Abseits manöveriert haben, bis keiner mehr was von ihnen wissen will.
dr.gerstel 14.10.2013
2. Ausgerechnet!
Ausgerechnet Frau Merkel, die sich bei Guttenberg und Wulff als absolut unfähige Krisenbewätigerin erwies, gibt der katholischen Kirche Ratschläge, wie diese in der Causa Tebartz-van Elst vorgehen soll. Auch da hängt sie ihr Mäntelchen wieder einmal in den Wind. Sie schwimmt mitten im Mainstream - wohlfeil und ohne Risiko. Typisch Merkel eben! Dabei sollte sie sich da mal raushalten und ihrem eigentlichen Beruf nachgehen, da hätte sie genug zu tun.
mahlgraf 14.10.2013
3. Ratzinger keine Belastung?
Zitat von sysopAPDie Kritik am Skandalbischof Tebartz-van Elst reißt nicht ab. Die scheidende Grünen-Chefin Roth kritisierte die "Prunksucht" des Klerikers. Bundeskanzlerin Merkel verfolgt die Entwicklung mit Sorge: Die Situation in Limburg sei eine große Belastung für die katholische Kirche. http://www.spiegel.de/panorama/bundeskanzlerin-merkel-aeussert-sich-kritisch-zu-tebartz-van-elst-a-927719.html
Die Prunksucht und Selbsherrlichkeit der Papstvorgänger, das war eine wesentlich schlimmere Belastung, das hat die Christen schwarenweise aus der Kirche getrieben. Jetzt, angesichts eines dussligen Shopping-Bischoffs in die Sozialneid-Kerbe zu hauen um Stimmungen oder Stimmen zu machen ist einfach nur Pfui. Roth und Merkel zeigen schlechtesten Stil. Das stinkt zum Himmel. Amen.
bdxc 14.10.2013
4. Bitte Ruhe im (Limburger) Dom
Die Protestantin Angela Merkel wäre gut beraten, sich aus inneren Angelegenheiten der römisch-katholischen Weltkirche heraus zu halten. Sonst könnte im Gegenzug irgendwo auf der Welt ein Prälat sich versucht fühlen, auf die Regierungsbildung Einfluss zu nehmen.
monolithos 14.10.2013
5. Kirche und Staat
Seit wann hat sich der Staat in die Kirche einzumischen? Umgekehrt würde man sich sowas doch auch verbitten. Lasst die Kirche sich doch sich selbst zu Grunde richten! Der Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung ihrer Mitarbeiter, der daraus entstandene systematische Kindesmissbrauch, die Ungleichbehandlung von Frauen - all das sind Dinge, die die Existenzberechtigung der katholischen Kirche auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland ohnehin in Frage stellen.
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