Burma Chaotische Krisenhilfe kostet Hunderte Menschenleben

Große Worte, kleine Taten: Die burmesische Junta lässt Helfer noch immer nur zögerlich ins Land. Ihr Krisenmanagement ist chaotisch. Notunterkünfte werden willkürlich geschlossen und andernorts wieder aufgebaut. Beim Kentern von drei Booten sind 300 Flüchtlinge ertrunken.


Rangun/Bangkok - Mehr als drei Wochen nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" in Burma hält die massive Kritik am Krisenmanagement der Militärregierung an. Laut einem Bericht der Kindernothilfe sind etwa 300 Flüchtlinge ertrunken, nachdem die Militärs Überlebende des Wirbelsturms auf drei Boote zusammengepfercht hatten, die dann in der Nähe von Bogalay kenterten. Die Militärs gingen mehr und mehr dazu über, Flüchtlingslager in den Katastrophengebieten zu räumen. Die Hilfsorganisation sprach von übereilten Aktionen. "Das ist definitiv zu früh und erschwert unnötig die Hilfsmaßnahmen."

Auf der Flucht: Das Militär versucht, die Menschen von den Straßen zu vertreiben
AFP

Auf der Flucht: Das Militär versucht, die Menschen von den Straßen zu vertreiben

Südostasiatische Staaten mahnten unterdessen schnelleren Zugang zu den Katastrophengebieten an. Die von der Militärjunta zugesagte Lockerung der Visabestimmungen für Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen werde nur schleppend umgesetzt, kritisierte in Bangkok Surin Pitsuwan, Generalsekretär der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean. Den Worten der burmesischen Regierung müssten nunmehr "echte Taten" folgen.

Durch den Zyklon "Nargis" waren Anfang Mai in Burma vermutlich rund 130.000 Menschen ums Leben gekommen. Knapp 2,4 Millionen benötigen dringend Hilfe. Die Militärjunta hatte erst vor wenigen Tagen zugesagt, ausländische Helfer ins Land zu lassen.

Notwendig sei jetzt die Umsetzung eines "Sofortkatalogs", verlangte der Asean-Generalsekretär: schneller Zugang zu den am stärksten betroffenen Gebieten, Verteilung der bereits eingetroffenen Hilfsgüter und "weniger Hürden" für die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen. Bisher hat die internationale Hilfe nach Schätzungen von Experten nur 40 Prozent der Betroffenen erreicht.

Erste Hilfe im Delta

Nach Angaben der Uno sind ausländische Helfer nun erstmals in das am stärksten betroffene Irrawaddy-Delta vorgedrungen. "Die internationalen Helfer beginnen damit, sich in das Delta zu bewegen", sagte der Sprecher des Uno-Büros für die Koordination Humanitärer Hilfe, Richard Horsey, in Bangkok. Hubschrauber hätten damit angefangen, kalorienreiche Kekse und Fertigmahlzeiten in die am schwersten betroffenen Gebiete zu fliegen.

Ein Sprecher des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) berichtete, bisher hätten etwa 485.000 Menschen eine erste Ration an Lebensmitteln erhalten. Insgesamt seien genügend Nahrungsmittel ins Katastrophengebiet gebracht worden, um 570.000 Menschen mit einer Zwei-Wochen-Ration Reis zu versorgen. Dennoch hätten viele Menschen noch nicht erreicht werden können. Der Umfang der Hilfslieferungen sei deshalb geringer als geplant.

Hausarrest für Aung San Suu Kyi verlängert

Die Generäle verlängerten den vor fünf Jahren verhängten Hausarrest gegen Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ohne Begründung um weitere sechs Monate. Das verlautete am Nachmittag aus Regierungskreisen.

Schon vor der Verlängerung des Hausarrests für die 62 Jahre alte Friedensnobelpreisträgerin ließen die Militärs 18 Anhänger der Opposition in der Hafenstadt Rangun festnehmen. Sie hatten sich auf den Weg zum Haus der Oppositionsführerin gemacht. Die Polizei hatte das Grundstück schon am Morgen weiträumig umstellt, um Proteste zum 18. Jahrestag des Wahlsiegs der demokratischen Opposition im Keim zu ersticken.

Suu Kyi hatte am 27. Mai 1990 mit der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) die Wahlen in Burma gewonnen. Die Militärs ignorierten jedoch das Ergebnis und hielten die Oppositionsführerin seitdem insgesamt zwölf Jahre unter Hausarrest. Seit dem 30. Mai 2003 steht sie ununterbrochen unter Arrest.

Die NLD forderte am Dienstag die umgehende Freilassung der Oppositionsführerin sowie der festgenommenen NLD-Anhänger. In einer Erklärung der Partei hieß es, Suu Kyi und ihr Stellvertreter Tin O würden wegen ihrer "unnachgiebigen Bemühungen um Demokratie und Menschenrechte im Staat" festgehalten. Die Opposition verwies zudem darauf, dass das burmesische Recht nur maximal fünf Jahre Hausarrest ohne offizielle Anklage vorsieht.

han/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.