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Verheerende Buschfeuer in Australien Letzter Ausweg: das Meer

Im brennenden Südosten Australiens können Rettungskräfte zum Teil nur noch aus der Luft oder mit Booten helfen. Im Urlaubsort Mallacoota flüchteten an Silvester Tausende Menschen an die Strände.

Feuerwerk inmitten einer Feuersbrunst: Trotz der verheerenden und teils aus der Stadt sichtbaren Brände war in der australischen Ostküstenmetropole Sydney das traditionelle Silvester-Feuerwerk über dem Hafen veranstaltet worden. Hunderttausende Unterzeichner einer Petition hatten sich im Vorwege erfolglos dafür ausgesprochen, die Pyro-Show abzusagen und die Kosten dafür den Brand-Opfern zu spenden. Zu dem Spektakel kamen dennoch rund eine Million Besucher. Die Fahnen an Sydneys Harbour Bridge waren zum Gedenken an die Katastrophe auf Halbmast gehisst.

In der Silvesternacht meldeten die Behörden zwei neu ausgebrochene Feuer in den Snowy Mountains im Süden und nahe dem Küstenort Central Coast nördlich von Sydney. Nach Angaben des regionalen Feuerwehrchefs Shane Fitzsimmons wüten in den südöstlichen Bundesstaaten New South Wales und Victoria weiterhin 110 Feuer. Großstädte wie Sydney leiden seit Wochen unter dem giftigen Rauch der Brände, der Himmel ist rot gefärbt. In der Hauptstadt Canberra erreichte die Luftqualität am Mittwoch so gefährliche Werte, dass das dort geplante Silvesterfeuerwerk abgesagt werden musste.

Rettungskräfte in Mallacoota: Hilfe kommt fast nur noch über das Meer oder aus der Luft

Rettungskräfte in Mallacoota: Hilfe kommt fast nur noch über das Meer oder aus der Luft

Foto: Ãjonty Smith via REUTERS

Die Regierungschefin des Bundesstaats, Gladys Berejiklian, warnte am Neujahrstag davor, dass sich die Wetterlage nach geringfügiger Entspannung am Wochenende wohl wieder verschlechtern werde. "Wir gehen davon aus, dass die Wetterverhältnisse am Samstag mindestens so schlimm werden, wie sie es gestern waren", sagte sie Reportern laut Nachrichtenagentur dpa.

Inmitten dieser immer dramatischer wirkenden Feuer-Krise ist eine großangelegte Aktion zur Rettung Tausender Menschen in abgeschnittenen Orten des Bundesstaats angelaufen. Schiffe und Flugzeuge der Armee waren am Mittwoch im Einsatz, um die Betroffenen über das Meer oder auf dem Luftweg zu versorgen. Im Einsatz war sogar ein schwimmendes Krankenhaus für Verletzte, die sich an Strände gerettet hatten.

Informationen aus den vom Feuer bedrohten Küstenorten im Südosten dringen nur langsam an die Öffentlichkeit, da wegen der Buschbrände vielerorts der Strom ausfiel, Telefon- und Internetverbindungen gekappt wurden. Die Behörden gehen davon aus, dass Tausende Einheimische und Touristen vor den Flammen an die Strände geflüchtet sind.

Shane Fitzsimmons von der Feuerwehr im Bundesstaat New South Wales sagte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP, für die Rettungskräfte sei es eine "echte Herausforderung", den Verletzten in den abgeschnittenen Gegenden zu helfen. Lediglich drei Menschen mit Brandverletzungen hätten bisher ausgeflogen werden können. Nach Angaben des Militärs könnte es Tage dauern, bestimmte Orte zu erreichen.

Die Behörden hatten in den vergangenen Tagen Zehntausende Touristen, die während der australischen Sommerferien am Meer Urlaub machten, aufgefordert, umgehend die Gegend zu verlassen. Auch das Auswärtige Amt in Berlin forderte Urlauber auf, die betroffenen Gebiete frühzeitig zu verlassen.

Feuer, Rauch und Asche: Die Luft über Mallacoota ist rötlich verfärbt

Feuer, Rauch und Asche: Die Luft über Mallacoota ist rötlich verfärbt

Foto: George Mills/via REUTERS

Für Tausende von ihnen ist es dazu aber bereits zu spät, sie werden von den Buschbränden eingeschlossen, nachdem Straßen unpassierbar geworden sind. Nach Angaben des Katastrophenschutzes des Bundesstaats Victoria ist die Flucht an den Strand oder direkt ins Meer häufig der letzte Ausweg. Einige Menschen, die über Boote verfügten, fuhren Berichten zufolge in der Hoffnung auf Rettung und Sicherheit vor den Flammen aufs offene Meer hinaus.

In der Küstenstadt Mallacoota in Victoria, rund 500 Kilometer von Melbourne entfernt, hatten sich am Silvestertag rund 4000 Menschen vor den näher rückenden Flammen ans Ufer gerettet. Der Rauch von den Bränden verdunkelte am Dienstag den Himmel über dem Ort, Asche regnete herab, berichtet AFP. Am Neujahrstag entspannte sich die Lage nach abdrehendem Wind. Die Überlebenden jubelten der Feuerwehr zu, die mit ihren Einsatzfahrzeugen einen Schutzring um die Menschen gebildet hatte. "Es gab Standing Ovations für die Feuerwehrleute", sagte Andrew Crisp vom Katastrophenschutz in Victoria dem Sender ABC.

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Silvester-Feuerwerk in Sydney: Als wäre nichts

Foto: PETER PARKS / AFP

Die Behörden rechnen dennoch damit, dass Mallacoota wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten sein könnte. Flugzeuge begannen bereits, Versorgungspakete abzuwerfen, außerdem traf ein Schiff mit Versorgungsgütern für mindestens zwei Wochen dort ein. Berichten zufolge versorgten Sanitäter Verletzte auf einem schwimmenden Krankenhaus mit 25 Betten auf dem Meer. Weitere Hilfe soll am Donnerstag oder Freitag in Küstenorten beider Bundesstaaten ankommen. Zudem sollen Menschen auch mithilfe von Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden. Victorias Regierungschef Daniel Andrews sprach von einem "langen und gefährlichen und komplexen Kampf" gegen die Flammen.

Allein am Dienstag waren laut Angaben der Behörden mindestens 176 Häuser in New South Wales zerstört worden. Einsatzkräfte sprachen von "Feuerstürmen" - Großbrandherde, die selbst wie ein Tornado aufbrausten und so enorme Zerstörungskraft freisetzten. Allein in New South Wales ist mittlerweile eine Fläche der Größe Belgiens abgebrannt. Mehr als 1400 Häuser in ganz Australien wurden zerstört.

Am Mittwoch wurde die Leiche eines Mannes in einem verbrannten Auto an einer Fernstraße bei Yatte Yattah gefunden, eine weitere Person sei tot in einem Fahrzeug nahe Sussex Inlet entdeckt worden. Die Feuer hatten den Ferienort am Silvesterabend erreicht. Die Zahl der Toten seit Ausbruch der Brände im September steigt damit auf mindestens 14.

Im südlichen Victoria sprachen Rettungskräfte von vier weiterhin vermissten Menschen im Brandgebiet. Die Feuerwehr rückte allmählich in die zerstörten Gegenden vor und geht davon aus, dabei noch viele zerstörte Häuser und vermutlich auch weitere Tote vorzufinden.

bor/dpa/AFP