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Getötete Feuerwehrleute in Arizona "Wie ein Rauchtornado"

Sie hatten keine Chance in der Gluthölle von Arizona: 19 Feuerwehrleute sind tot, erstickt und verbrannt bei gigantischen Buschbränden. Selbst spezielle Schutzkapseln konnten sie nicht retten. Nur ein Mitglied des Trupps überlebte die Katastrophe.

Washington/Prescott - Arizona trauert um seine getöteten Feuerwehrleute: 19 Einsatzkräfte waren am Sonntag ums Leben gekommen, als sie die verheerenden Buschbrände bekämpften, die sich in dem US-Bundesstaat ausbreiten. Es handelte sich um das schwerste Feuerwehrunglück seit Jahrzehnten.

Gesicherte Angaben über die Unglücksursache gibt es bislang nur wenige. Augenzeugen berichten, die Männer seien von den Flammen eingekesselt worden. Auch spezielle Schutzkapseln konnten sie nicht retten.

"Der Wind hatte gedreht, der Qualm wehte auf uns zu", berichtete der ehemalige Feuerwehrchef Peter Andersen, der an dem Einsatz beteiligt war. "Es sah fast aus wie ein Rauchtornado." Kräftige Windböen hätten das Feuer in zwei Richtungen geteilt - und schließlich zurück zu der Gruppe von Feuerwehrleuten getrieben. Der Feuerwehrchef von Prescott, Dan Fraijo, sagte Journalisten: "Wir haben unser gesamtes Team verloren - 19 unserer besten Leute." Die Gouverneurin Arizonas, Jan Brewer, sagte: "Das ist der dunkelste Tag, an den ich mich erinnern kann".

"Sie konnten nichts tun, um sie herauszuholen"

Behördenangaben zufolge versuchten sich die von den Flammen eingeschlossenen Helfer in ihre Schutzkapseln zu flüchten, spezielle Mini-Rettungszelte, die Hitze abweisen und Atemluft einschließen sollen. Anderson sagte, einige der Männer hätten es in die Kapseln geschafft, einige nicht. Das habe ihm die Besatzung eines Helikopters berichtet. "Sie konnten nichts tun, um sie dort herauszuholen", sagte er. Am Ende überlebte nur einer der ursprünglich 20-köpfigen Truppe. Behördenangaben zufolge war der Mann zu einem anderen Einsatzort unterwegs gewesen und deshalb unverletzt geblieben.

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Arizona: Trauer um getötete Feurwehrmänner

Foto: AFP/ KPHO-TV/CBS-5-AZ.COM

Unterdessen breiten sich die Buschbrände in Arizona weiter aus. Inzwischen wüten die Flammen auf einer Fläche von 34 Quadratkilometern. Rund 400 Einsatzkräfte an vorderster Front konnten das von trockenem Gras und Unterholz gespeiste Feuer bislang nicht eindämmen. Vor allem drehende Winde machen die Lage unberechenbar.

Behörden vermuten, dass ein Blitzschlag den fatalen Flächenbrand im Hügelland nordwestlich von Phoenix auslöste. Experten befürchteten, dass Temperaturen um die 40 Grad Celsius und starke Winde das Feuer erneut anfachen könnten. Auch Blitzeinschläge galten als Gefahr. Nach Medienberichten wurden 200 Häuser in der dünn besiedelten Region zerstört. Hunderte Einwohner mussten sich in Sicherheit bringen.

Die sterblichen Überreste der getöteten Feuerwehrleute wurden am Montag in einem Konvoi aus Leichenwagen nach Phoenix befördert, um von Gerichtsmedizinern untersucht zu werden. Die meisten Opfer seien zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen, berichtete die Zeitung "Arizona Republic" in ihrer Online-Ausgabe.

Bei den Getöteten habe es sich um ein sogenanntes Hotshot-Team gehandelt, einen Elitetrupp der Feuerwehr, der als erstes in einen Brand hineingeht und versucht, einen Schutzstreifen und einen Fluchtweg zu schaffen.

rls/dpa/AP
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