#MeToo im Deutschrap Bushido muss Beläs­t­i­gung­s­opfer 62.500 Euro Ent­schä­d­i­gung zahlen

Ein im vergangenen Sommer veröffentlichtes Video zeigte, wie Bushido vor rund 17 Jahren ein Mädchen verbal bedrängte. Weil der Rapper eine längere Version veröffentlichte, musste er der Frau nun eine hohe Geldsumme zahlen.
Rapper Bushido (Archiv)

Rapper Bushido (Archiv)

Foto: DPA

Es war ein erschreckendes Video, das der Rapper Cashmo im Juni vergangenen Jahres auf Instagram veröffentlichte. Darin zu sehen: Ein 26 Jahre alter Bushido, der gemeinsam mit seinen Mitstreitern ein – zum damaligen Zeitpunkt minderjähriges – Mädchen verbal bedrängt.

Anis Ferchichi, wie Bushido mit bürgerlichem Namen heißt, redet darin beharrlich auf die Frau ein, sie solle sich überlegen, was sie wolle. Und er drohte ihr implizit mit möglichen Konsequenzen: »Wohin willst du denn jetzt gehen? Draußen in den Wald?« Andere Teilnehmer der Runde versuchen, die offensichtlich eingeschüchterte Frau zum Sex zu überreden: »Willst du deine Hose ausziehen?«.

Als das Video veröffentlicht wurde, gab sich Bushido zerknirscht. »Ich hoffe, dass eure Töchter, meine Töchter nicht solchen Menschen über den Weg laufen wie mir, als der, der ich damals zu dieser Zeit gewesen bin«, sagte er in einem Entschuldigungs-Video – legte dann aber auf der Streaming-Plattform Twitch mit einer längeren Version der Aufnahme nach, inklusive rechtfertigendem Live-Kommentar und einer eher notdürftigen Verpixelung.

Unterlassungserklärung und Schadensersatz

Diese Veröffentlichung hatte nun ein gerichtliches Nachspiel. Vor dem Landgericht Mannheim wurde der Rapper dazu verpflichtet, der heute 33-Jährigen eine Geldsumme in Höhe von 62.500 Euro zu bezahlen. Zuerst hatte Legal Tribune Online über den Vergleich berichtet. 

Demnach hatte die Frau von Bushido verlangt, das Twitch-Video offline zu nehmen und eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Außerdem forderte sie eine Entschädigung in Höhe von 100.000 Euro wegen der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte – da sie unter anderem an ihrer Stimme erkennbar sei. Am Ende des Verfahrens einigten sich Bushido und die Klägerin auf die Summe von 62.500 Euro.

Gericht sieht »sexuell übergriffige Situation«

Das Gericht erkannte die Ansprüche im Grundsatz an, auch weil die damals Minderjährige in einer »herabsetzenden und sexuell übergriffigen Situation« gefilmt wurde. Durch die Veröffentlichung von Bushido sei ihr die Nacht in dem Hotelzimmer noch einmal geistig vor Augen geführt worden.

Bushido verteidigte sich laut Legal Tribune Online damit, dass es ihm bei der Veröffentlichung nicht um die Erniedrigung der Frau, sondern um die Darstellung seiner Version des Geschehens gegangen sei. Ein aussichtsloses Unterfangen, wie das Gericht feststellte: Auch das kommentierte Twitch-Video zeige offensichtlich eine sexuelle Bedrängung.

rai

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