Busunglück auf der A2 Brandursache wahrscheinlich technischer Defekt

Neue Erkenntnisse nach dem Busunglück auf der A2 bei Hannover: Die Ermittler gehen derzeit von einem technischen Defekt aus. Die Vermutung, eine brennende Zigarette sei Ursache des Brandes gewesen, gilt als unwahrscheinlich.


Hannover - Bei dem Busunfall mit 20 Toten gehen die Ermittler dagegen jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit von einem technischen Defekt als Ursache aus.

"Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist ein technischer Defekt als Auslöser des Brandes wahrscheinlich", sagte am heutigen Freitag der Polizeisprecher Axel Brogfeld in Hannover. Der bislang ermittelte Ablauf spreche gegen eine brennende Zigarette als Ausgangspunkt des Feuers.

Die konkrete Brandursache hätten die Experten bei der Untersuchung der Überreste des Busses aber noch nicht gefunden, so Brogfeld.

Das Feuer sei aller Wahrscheinlichkeit nach im Toilettenbereich des Busses entstanden. Dort habe sich durch einen Schwelbrand eine große Menge entzündlicher Gase angesammelt, die sich nach dem Öffnen der Toilettentür unter Sauerstoffzufuhr explosionsartig entzündete hätten, sagte der Polizeisprecher. Dieser Ablauf spreche gegen eine weggeworfene brennende Zigarette als Ausgangspunkt des Feuers.

Drei Gutachter hatten am Donnerstag mit der Untersuchung des ausgebrannten Wracks begonnen. Zwei von ihnen sind laut Polizeiangaben Experten des TÜV, der dritte kam vom Bushersteller Daimler. Es handelt sich bei dem Reisebus um ein vier Jahre altes Modell der Serie O 350 SHD von Mercedes-Benz.

Mittlerweile hat die Polizei eine vollständige Liste der 20 Toten erstellt. Es handelt sich um 13 Frauen im Alter von 43 bis 80 Jahren, sechs Männer im Alter von 46 bis 80 Jahren und ein 13 Jahre altes Mädchen. Alle Todesopfer stammen aus Hannover. Sie waren auf dem Heimweg von einem Ausflug nach Haltern im Münsterland.

Am Donnerstag wurden die Leichen in der Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover obduziert. Die Identifizierung werde voraussichtlich bis nächste Woche dauern, sagte eine Polizeisprecherin.

Bei einer ökumenischen Andacht gedachten am späten Donnerstagabend 250 Menschen der Opfer des Brandes. "Es ist schwer, dem Tod ins Gesicht zu sehen, und es ist entsetzlich, den Gedanken auszuhalten, dass Menschen nicht fliehen konnten und in kürzester Zeit verbrannt sind", sagte die Landesbischöfin Margot Käßmann bei der Andacht in der Marktkirche in Hannover.

Zur Erinnerung an die Toten legte die hannoversche Landesbischöfin im Altarraum der Kirche zwanzig weiße Rosen nieder. Man vertraue die Toten der Liebe Gottes an, sagte sie. Schwer sei es auch für die Überlebenden des Unglücks und die Helfer an der Unglücksstelle.

"Sie müssen mit den Bildern leben, die sich in ihre Seelen eingebrannt haben", sagte die evangelische Bischöfin.

Die Andacht wurde vom Katholischen Bischof von Hildesheim Norbert Trelle mitgestaltet. An ihr nahmen auch zahlreiche Katastrophenhelfer der Feuerwehr und des Roten Kreuzes teil. Auch die Inhaberin des Unternehmens, dem der Bus gehörte, gedachte in der Kirche der Opfer.

bog/dpa/AP

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