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26. Juli 2012, 18:59 Uhr

Flaggen-Fauxpas

"Eine Schande" für Olympia

Die Olympischen Spiele sind noch gar nicht eröffnet, den ersten Eklat gibt es trotzdem schon: In Nordkorea ist die Aufregung groß, weil das Frauen-Fußballteam mit der Flagge Südkoreas vorgestellt wurde. Jetzt versuchen der britische Premierminister und der IOC-Chef, die Gemüter zu beruhigen.

London - Sogar David Cameron musste sich entschuldigen. "Es hätte nicht passieren dürfen", sagte der britische Premierminister, darum bemüht, Gelassenheit zu demonstrieren. Denn die Fahne des Erzfeinds hat Nordkorea zutiefst verärgert und den Olympischen Spielen in London schon vor der Eröffnungsfeier ein peinliches Politikum beschert.

Seit zehn Monaten war bekannt, dass die Fußballerinnen aus Nordkorea am olympischen Turnier teilnehmen - nur die Organisatoren der Spiele von London wussten es anscheinend nicht. Zum Auftakt der Vorrunde wurde auf der Anzeigetafel im Hampden Park von Glasgow die Fahne von Südkorea eingeblendet, auch die Bezeichnung "Demokratische Volksrepublik" für Nordkorea wurde vergessen. Die Nordkoreanerinnen verließen daraufhin das Spielfeld.

"Natürlich sind die Menschen verärgert", sagte das nordkoreanische IOC-Mitglied Ung Chang. "Wenn einer Ihrer Athleten Gold gewinnen und die Fahne einer anderen Nation hochgezogen werden würde, was würde passieren? Wohl genau dasselbe." Das kommunistische Nordkorea ist mit seinem südlichen Nachbarn verfeindet, die Bruderstaaten werden seit dem Ende des Koreakrieges 1953 durch eine stark gesicherte Grenze getrennt.

Cameron versuchte, bei einem Besuch im Olympia-Park die Aufregung zu dämpfen. "Es war ein Fehler, eine Entschuldigung wurde ausgesprochen. Aber wir sollten das Thema nicht übermäßig aufblasen", sagte der Premier. Die "Times" wählte schärfere Worte - und sah das nach dem Eklat einen "Schatten auf einem Tag, der ansonsten ein unerwarteter Erfolg" gewesen wäre. Die Zeitung nannte es "eine Schande", dass der Sport erneut politisch aufgeladen worden sei.

"Der Sieg kann das nicht vergessen machen"

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, und die Olympia-Organisatoren reagierten ebenfalls zerknirscht auf den Vorfall. Rogge musste Ung Chang versichern, dass es sich bei dem "sehr unglücklichen Vorfall" um einen "menschlichen Fehler ohne politische Note" handelte. "Ich verspreche Ihnen, das wird nicht wieder passieren", sagte er. "Es war ein ernsthafter Fehler, für den wir uns entschuldigen", so der Sprecher des Londoner Organisationskomitees.

Unklar bleibt die Ursache des Fehlers. Im Hampden Park waren die korrekten Fahnen aufgezogen worden. Informationen des Senders BBC zufolge wurde das Video aus London geschickt, die lokalen Organisatoren hätten keinen Einfluss auf den Inhalt gehabt. Die Begegnung konnte erst mit einer Stunde Verspätung angepfiffen werden. "Unsere Mannschaft wäre nicht angetreten, wenn das Problem nicht gelöst worden wäre", sagte Nordkoreas Trainer Sin Ui Gun.

Er glaubte nicht an ein Versehen, sondern nach eigener Aussage an eine geplante Aktion der Gastgeber. "Wir waren wütend, weil unsere Spielerinnen präsentiert wurden als seien sie Südkoreanerinnen. Das ist eine Sache, die uns sehr nahe geht. Der Sieg kann das nicht vergessen machen", sagte der Coach nach dem 2:0 gegen Kolumbien.

wit/dpa/sid

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