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14. August 2019, 17:04 Uhr

Model Cara Delevingne über ihre sexuelle Identität

"Ich wollte mich nicht anders fühlen"

Model Cara Delevingne hat in einem Interview über Bisexualität und ihr Outing gesprochen. Mittlerweile äußert sich die 26-Jährige öffentlich zum Thema Sex. Früher sei ihr das schwergefallen.

Im Juni wurde Cara Delevingne bei einer Gala in New York der "Hero Award" (Helden-Auszeichnung) von der Organisation "The Trevor Project" verliehen. Die Organisation hilft jungen Menschen aus der LGBTQ-Szene (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transgender und Queer) in Krisensituationen und leistet Suizidprävention. Vor einiger Zeit hätte die 26-Jährige auf dieser Veranstaltung wohl noch mit ihrer eigenen Rolle gehadert.

In einem Interview für die französische Modezeitschrift "Marie Claire" hat das Model und die Schauspielerin Delevingne erzählt, dass sie über viele Jahre geleugnet habe, bisexuell zu sein. Heute engagiert sich die gebürtige Londonerin für LGBTQ-Rechte.

Zu der Gala begleiteten sie ihr Vater Charles und ihre Partnerin Ashley Benson. Delevingne und Benson lernten sich im Frühling 2018 am Filmset von "Her Smell" kennen, wie Delevingne im Interview berichtete. "Wir haben nicht danach gesucht. Es war einfach authentisch und natürlich", sagte Delevingne. Ihre Beziehung machte das Paar erst im Juni 2019 publik.

Nervenzusammenbruch mit 15, Modelkarriere mit 16

Cara Delevingne kämpfte im Teenageralter selbst mit psychischen Problemen, wie sie einer Autorin von "Marie Claire" erzählte. "Ich hoffe, die Menschen denken nicht, ich würde mich beschweren. Ich habe eine unglaubliche Erziehung genossen. Ich bin auf tolle Schulen gegangen. Wir konnten in den Urlaub fahren", sagte Delevingne.

Trotzdem hätte sie es als Jugendliche nicht immer leicht gehabt. Ihre Mutter sei süchtig nach Heroin gewesen und über viele Jahre leugnete Delevingne, auf Frauen zu stehen.

"Ich wollte mich nicht anders fühlen, obwohl ich schon früh gespürt habe, dass ich nicht dazugehörte", sagte sie. Innerhalb ihrer Familie habe sie mit niemandem über diese Themen sprechen können.

Als Delevingne 14 Jahre alt war, habe ihre Mutter einen "grauenvollen Zeitpunkt" gewählt, um sie sexuell aufzuklären, sagte Delevingne. "Meine Mutter entschied sich dazu, mir zu erzählen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Im selben Gespräch sagte sie dann: Übrigens, lass uns über die Vögel und Bienen sprechen."

Heute sei Delevingne stolz auf ihre Einstellung zu Sexualität. "Ich spreche nicht nur einfach so über Sex. Ich spreche über Erfahrungen, egal ob es um Missbrauch oder Verwirrung geht, positiv oder negativ", sagte sie.

Delevingne zählt zu den Frauen, die dem wegen sexueller Belästigung beschuldigten Regisseur Harvey Weinstein Übergriffe vorwarfen. Sie berichtete von einem Vorfall, bei dem Weinstein sie in sein Hotelzimmer gelockt und versucht habe, sie zu küssen. "Ich glaube nicht, dass er jemals wiedergutmachen kann, was er getan hat", sagte Delevingne. Weinstein bestreitet die Vorwürfe und sagt, jegliche sexuelle Handlungen hätten einvernehmlich stattgefunden.

Als sie im Alter von 16 Jahren anfing zu modeln, habe Delevingne ihre Arbeit vor allem als Ablenkung genutzt. Heute wolle sie ihre Arbeit als Plattform nutzen. Im Interview sagte sie: "Ich möchte nicht mehr nur vor meinen Problemen davonlaufen."

cmb

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