Cat Stevens unter Terrorverdacht "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll"

Nach der Einreiseverweigerung in die USA ist der einstige Popstar Cat Stevens zurück in Großbritannien. Seinen eiligen Rausschmiss und den Terrorverdacht gegen ihn findet er lächerlich. Das Verhalten der US-Behörden sei ihm ein Rätsel.


Cat Stevens alias Yusuf Islam: "Es ist verrückt"
AP

Cat Stevens alias Yusuf Islam: "Es ist verrückt"

London - "Die ganze Sache ist vollkommen lächerlich", sagte der 56-Jährige bei seiner Ankunft in London. "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Es ist verrückt. Jeder kennt mich wegen meiner Arbeit für wohltätige Zwecke", fügte er hinzu. "Nun müssen Erklärungen her", forderte er.

Wie die US-Behörden zu ihrem Verdacht kommen, ist Stevens schleierhaft. "Ich hoffe bloß, dass sie einen großen Fehler gemacht haben." Immerhin hätten ihn die Sicherheitskräfte "sehr gut" behandelt. "Man hat mir keine Handschellen angelegt oder sowas", sagte er.

Stevens ist vor dreißig Jahren zum Islam konvertiert und nennt sich seitdem Yusuf Islam. Er war am Dienstag mit seiner Tochter auf einem Flug von London nach Washington unterwegs. Die Maschine der United Airlines wurde nach Bangor im US-Bundesstaat Maine umgeleitet und Stevens umgehend aus dem Land komplimentiert. Begründung: mögliche Verbindung zu Terroristen und Gefährdung der nationalen Sicherheit der USA.

Der britische Außenminister Jack Straw kritisierte die Einreiseverweigerung der US-Behörden unterdessen gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen Colin Powell. Die Aktion gegen Stevens sei unnötig und falsch gewesen, sagte Straw nach Angaben seines Sprechers. Den britischen Geheimdiensten lägen keine Beweise dafür vor, die Stevens in irgendeine Nähe zu terroristischen Gruppen bringe.

Ein Sprecher des US-Heimatschutzministeriums erklärte indes, Stevens stehe unter Terrorverdacht. Neue Erkenntnisse hätten das bekräftigt. Ein US-Strafverfolger, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, man habe Anhaltspunkte dafür, dass Stevens der palästinensischen Extremistengruppe Hamas Geld gespendet habe.

Beim Rat für Amerikanisch-Islamische Beziehungen löste das Vorgehen gegen Stevens Empörung aus. "Yusuf Islam ist vermutlich eine der bekanntesten und am meisten respektierten Persönlichkeiten der muslimischen Welt. Er bemüht sich seit langem um Frieden, Versöhnung und die Verurteilung des Terrorismus", sagte ein Sprecher des Rates. In einem Schreiben an US-Präsident George Bush und Heimatschutzminister Tom Ridge forderte er eine Erklärung.

Islam wurde als Stephan Georgiou geboren und nahm als Sänger den Künstlernamen Cat Stevens an. In den sechziger und siebziger Jahren feierte er Erfolge mit Liedern wie "Wild World" oder "Morning Has Broken". Cat Stevens verkaufte 40 Millionen Alben - und verschwand 1978 als nicht einmal 30-Jähriger abrupt von der Showbühne. Er beendete seine Musikerkarriere und konvertierte zum Islam. Später wurde er Religionslehrer und gründete 1983 eine muslimische Schule in London.



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