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Inhaftierter Ralf Wohlleben: "Freiheit für Wolle"

Foto: dapd/ Mobit

Ralf Wohlleben Rechte Szene sammelt Geld für mutmaßlichen NSU-Helfer

Er soll die Waffe besorgt haben, mit der die NSU-Terroristen mordend durchs Land zogen: Ralf Wohlleben sitzt in Haft und wartet auf seinen Prozess. Für die bevorstehenden Kosten haben seine rechten Gesinnungsgenossen nun eine Solidaritäts-CD in Umlauf gebracht.

"Jagt das Pack ... raus aus jedem deutschen Gau. Ausländerpack und Synagogen raus, raus, raus!" - Rassistische, antisemitische Textpassagen aus einem Lied der Thüringer Neonazi-Band SKD - benannt nach der Abkürzung für "Sonderkommando Dirlewanger", einer von Oskar Dirlewanger befehligten SS-Einheit, die an der Ostfront zahllose Kriegsverbrechen beging, jüdische Häftlinge in Konzentrationslagern überfiel und sich an der Niederschlagung des Warschauer Aufstands beteiligte.

SKD aus Gotha ist eine von insgesamt 15 Rechtsrock-Bands, die gemeinsam eine CD aufgenommen haben - für Ralf Wohlleben. Er soll ein zentraler Unterstützer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gewesen sein, dessen Mitgliedern 1998 bei der Flucht geholfen und sie in der Illegalität finanziell unterstützt haben. Zudem soll er die tschechische Pistole des Typs Ceska CZ 83, Kaliber 7,65 Millimeter, besorgt haben, mit der insgesamt neun türkisch- und griechischstämmige Kleinunternehmer getötet wurden.

Wohlleben war Ende November 2011 verhaftet worden. Ihm wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Außer ihm ist nur noch NSU-Mitglied Beate Zschäpe inhaftiert, sie sitzt im Frauengefängnis in Köln und schweigt.

Ihre Fangemeinde ist weitaus kleiner als die Wohllebens. Für "Wolle", wie er in der rechten Szene genannt wird, wurden bereits Geburtstagsannoncen in Tageszeitungen geschaltet, T-Shirts gedruckt und Solidaritätskampagnen auf Facebook formuliert - unter den Sympathisanten waren auch Mitglieder der Thüringer NPD wie die Kommunalpolitiker Karsten Höhn und Sebastian Reiche. Jetzt singen Bands wie SKD, Uwocaust & alte Freunde, Blitzkrieg, Blutbanner und TäterVolk für "Wolle" und fordern seine Freiheit.

Das Lied "Solidarität IV" beginnt mit: "Warum haltet ihr die Fresse, was habt ihr schon zu verlieren. Schluss mit dem Schweigen, wir werden uns nie distanzieren. Freiheit für Wolle fordern wir, egal wohin der Weg auch geht, drinnen wie draußen eine Front - Solidarität!" Später heißt es: "... man sperrt dich weg als Terrorist ... wir steh'n zu dir."

Strippenzieher: Das verbotene "Blood & Honour"-Netzwerk

Mit der CD, die Mitte Oktober erschienen sein soll, zeigt eine neue Qualität der Unterstützung: "Die bundesdeutsche Neonazi-Szene will den Erlös vollständig dem inhaftierten Wohlleben zugute kommen lassen", sagt Katharina König, Sprecherin für Antifaschismus der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag.

Das würden Neonazis im Internet verlautbaren lassen, darunter zwei Rechtsextremisten, die im Dezember 2011 in Crawinkel im Landkreis Gotha ein Grundstück samt Gaststätte und Wohngebäude kauften, in das sie mit zwei weiteren Thüringer Neonazis eingezogen sind, einer davon ist ein Mitglied von SKD.

Die Neonazi-Band Klampferitis postete am 17. Oktober 2012 auf ihrer Facebook-Seite in holprigem Deutsch: "Guten Abend liebe Freunde möchte nochmal auf den Soli sampler hinweisen bei Interesse meldet euch einfach der Erlös geht zu 100 % zum Gunsten für unseren Kameraden 'wolle' der kurz vor seiner Verhandlung steht die Bands haben sich die mühe für ihn gemacht und ihre Lieder zur Verfügung gestellt."

Die Solidaritäts-CD wird nach Angaben von Katharina König bundesweit bereits bei über einem Dutzend Szene-Versandhändlern vertrieben. Interessant ist, dass SKD dem in Deutschland verbotenen Netzwerk "Blood & Honour" nahesteht und sich bereits an einem weiteren Sampler beteiligte, ein Lied darauf heißt "Führer Adolf".

Damit sind Wohllebens Sympathisanten laut König keine Unbekannten: "Wohlleben wird auch ein Jahr nach dem Auffliegen des NSU aus einem ähnlichen und teils identischen Milieu unterstützt wie einst das flüchtige NSU-Trio aus Jena: 'Blood & Honour'."

Das letzte "Blood & Honour"-Konzert war am 27. Oktober

Bereits 1998 soll das "Blood & Honour"-Netzwerk die Rechtsterroristen beim Untertauchen unterstützt habe. "Blood & Honour" soll dem Trio ein Kilo TNT-Sprengstoff beschafft und den Weg dafür bereitet haben, dass Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe viele Jahre lang ungehindert morden konnten.

Am 12. September 2000 hat der Bundesinnenminister "Blood & Honour" verboten. Die Szene interessierte das nicht. In der Illegalität agierte das Netzwerk weiter, organisierte Konzerte, produzierte CDs und Devotionalien, die es verkaufte. Das räumte auch der ehemalige Thüringer Innenminister Karl-Heinz Gasser in einer Landtagssitzung am 9. Dezember 2004 ein: Jahre nach dem Verbot habe es in Thüringen Neonazi-Konzerte gegeben - organisiert von ehemaligen "Blood & Honour"-Mitgliedern.

Auf dem "Fest der Völker" in Jena 2005 spielten fast ausschließlich Bands aus dem internationalen "Blood & Honour"-Spektrum. Am 7. März 2006 kam es zu einer bundesweiten Razzia bei 80 Neonazis wegen des Verdachts auf Fortführung einer verbotenen Vereinigung. Es wurden Embleme, eine schussfähige Kleinkaliber-Pistole und eine funktionsfähige Handgranate gefunden.

Bis heute soll die "Blood & Honour"-Szene aktiv sein: Zuletzt trat die Altenburger Neonazi-Band Moshpit am 27. Oktober auf, so war es auf der internationalen "Blood & Honour"-Webseite nachzulesen. Vor diesem Hintergrund reichte die Linken-Abgeordnete König mehrere Kleine Anfragen  bei der Thüringer Landesregierung ein, um die Hintergründe zur CD-Produktion und vor allem die Verstrickungen mit Wohlleben aufzuklären.