Chaos in Big Apple Sturm sorgt in New York für schwere Schäden

Ein heftiger Sturm hat während des Feierabendverkehrs in New York für Chaos gesorgt. Tausende Pendler strandeten im Bahnhof Penn Station, die Böen zerstörten Häuser, das Dach eines Kirchturms wurde niedergerissen. Nun wollen Meteorologen klären, warum der Sturm die Stadt so überraschen konnte.

AP

Hamburg - Es ging rasend schnell: Kaum hatten Meteorologen die Unwetterwarnung veröffentlicht, da färbte sich der Himmel über New York erst grün, wenig später war er schwarz. In Wogen zog Regen über die Metropole, auf grelle Blitze folgte tosend lauter Donner, münzgroße Hagelkörner prasselten auf Dächer und Gehwege. Trichterförmige Wolkenberge fegten durch die Stadt, erinnerten Anwohner an einen Tornado. "Es war wie im Irak-Krieg, vorne an der Front", sagte ein Mann dem lokalen Nachrichtensender NY1.

Nur wenige Minuten dauerte der Spuk, dann war er schon wieder vorbei.

Doch der Sturm hinterließ Chaos in vielen Teilen der Ostküsten-Metropole. Überall in New York kippten Bäume um, blockierten Kreuzungen, Schienen, Hauseingänge, zerstörten Stromleitungen. Dächer stürzten ein, Schaufenster zerbarsten, der Kirchturm der St. George Episcopal Church in Flushing wurde niedergerissen. Menschen waren in ihren Häusern eingeschlossen und versuchten mit Äxten die Äste und Stämme aus dem Weg zu räumen. Straßen und Bürgersteige waren mit Schutt übersät. 34.000 Haushalte waren ohne Strom, an vielen Stellen brachen kleinere Feuer aus.

Der Sturm traf die Stadt gegen 17 Uhr (Ortszeit) - mitten im Berufsverkehr. Die Polizei sperrte Penn Station im Herzen der Stadt, den Bahnhof, an dem Zehntausende täglich aus- und umsteigen. Dicht gedrängt standen die Menschen stundenlang in der Wartehalle - da Gleise blockiert waren, fuhren viele Züge nicht. Die Menschen versuchten per U-Bahn nach Hause zu kommen, auch die Subway war zum Bersten überfüllt. Schließlich organisierten Polizisten Fahrgemeinschaften per Taxi.

"Das Ausmaß der Zerstörung hat mir die Tränen in die Augen getrieben"

In der Nacht versuchten Einsatzkräfte, die Schienen freizuräumen - damit der Berufsverkehr am Morgen wieder rollen konnte. Allerdings werden auch an diesem Freitag die meisten Züge nur verspätet fahren können.

Meteorologen wollen anhand der Schäden versuchen zu ermitteln, ob der schwere Sturm ein Tornado war.

"Das Ausmaß der Zerstörung hat mir die Tränen in die Augen getrieben", sagte Robert Holden, Präsident der Juniper Park Civic Association, der "New York Times". "In jedem Block sind zwei oder drei Bäume in Häuser und Autos gestürzt. Der Verkehr steht still. Überall liegt Schutt." Der Wind habe die Bäume mehrere Meter weit getragen. "Das alles hat nicht sehr lange gedauert, nach wenigen Minuten war es vorbei."

In Queens wurde eine 30 Jahre alte Frau durch einen umstürzenden Baum getötet. Sie war mit ihrem Wagen an den Straßenrand gefahren, als ein Stamm das Dach durchschlug. Ihr Beifahrer erlitt leichte Verletzungen. Fünf weitere Menschen wurden verletzt, als auf dem Gowanus Express Way in Brooklyn fünf Anhänger umstürzten.

"Hier sieht es aus wie in 'Jurassic Park'"

"Auch wenn das alles ein Akt Gottes sein mag, macht das die Sache für uns nicht einfacher", sagte Bürgermeister Michael Bloomberg. "Die gute Nachricht ist, dass sich die meisten Menschen in Sicherheit befanden und nur genervt waren - darüber dass der Verkehr lahm lag oder in ihrem Garten ein Baum umgefallen ist."

In Brooklyn wehte der Wind Müll durch die Straßen, zurück blieb ein Bild der Verwüstung. Chrystal Prather flüchtete sich in ein Café in der Nähe der Fifth Avenue. "Der Wind war so stark, dass er die Tür auf und zu stieß", sagte sie der "New York Times". "Wir versuchten das Café zu verlassen, aber der Wind drückte uns zurück."

"Hier sieht es aus wie in 'Jurassic Park'", sagte Fiona Imboden, die in der Nähe der Fifth Avenue in Park Slope lebt, der "New York Daily News". "Meine gesamte Straße ist zerstört."

In diesem Jahr scheint das New Yorker Wetter verrückt zu spielen. Im Februar fiel so viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr, der Sommer war so heiß wie lange nicht. Der Donnerstag war ein vergleichsweise kühler, ruhiger Tag in New York - bis der Sturm kam.

Die mexikanische Regierung hat indes eine Hurrikanwarnung für die Golfküste herausgegeben. Das amerikanische Hurrikanzentrum in Miami erklärte, Wirbelsturm "Karl" habe am Donnerstag Hurrikanstärke erreicht und könne bis zu seinem Auftreffen auf Land Windgeschwindigkeiten bis 175 Kilometer pro Stunde erreichen.

han



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