Chaotische Fluthilfe Bushs Katastrophenmanager nimmt seinen Hut

Nach heftiger Kritik an seiner Amtsführung hat Michael Brown, Direktor der Katastrophenschutzbehörde Fema, seinen Rücktritt verkündet. US-Präsident George W. Bush ernannte bereits einen provisorischen Nachfolger.


Präsident Bush und der ehemalige Fema-Chef Brown: Rücktritt nach Kritik von allen Seiten
DPA

Präsident Bush und der ehemalige Fema-Chef Brown: Rücktritt nach Kritik von allen Seiten

Washington - Der ehemalige ranghohe Beamte der Feuerwehr von Miami im US-Bundesstaat Florida, David Paulison, soll an die Spitze der Behörde treten, teilte der US-Präsident am Montag mit. Bereits am Freitag hatte US-Präsident George W. Bush Brown die Leitung der Hilfsmaßnahmen im Hurrikan-Gebiet entzogen.

"Ich werde heute meinen Rücktritt einreichen", hatte Brown am Montag erklärt. "Ich denke, es ist im besten Interesse der Behörde und des Präsidenten, dies zu tun, damit die Medien sich auf die guten Dinge konzentrieren, die geschehen, statt auf mich."

Die Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, sprach von einem überfälligen Schritt. Heimatschutzminister Michael Chertoff dankte Brown für seinen Einsatz. Er habe getan, was er konnte, um die Hilfe für die Hurrikan-Opfer zu koordinieren.

Der Katastrophenschutzbehörde Fema wurde vorgehalten, zu spät und zu zögerlich auf die vom Hurrikan "Katrina" verursachte Flutkatastrophe in den Südstaaten reagiert zu haben. Die Leitung der Bergungs- und Rettungsarbeiten im Krisengebiet übernahm bereits am Freitag Thad Allen, ein Vizeadmiral der Küstenwache.

Von seinen Kritikern war dem Behörden-Chef unter anderem vorgehalten worden, dass er zu wenig Erfahrung im Katastrophenschutz habe. Er war der Fema erst vor vier Jahren beigetreten. Vorher war er lange Jahre Funktionär bei einem Verband für die Liebhaber von Araber-Pferden.

Zahl der bestätigten Todesopfer steigt auf 500

Bei seinem ersten Besuch in New Orleans wies Präsident George W. Bush Rassismus-Vorwürfe gegen seine Regierung zurück. Die Hautfarbe der Bewohner habe keinen Einfluss auf die Rettungsarbeiten gehabt, erklärte Bush. "Der Sturm hat nicht diskriminiert, und das Gleiche gilt für die Rettungsarbeiten."

Die Zahl der bestätigten Todesopfer im Krisengebiet stieg am Montag auf über 500. Nach der Bergung von 49 Leichen aus einem teilweise überfluteten Krankenhaus in New Orleans stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer allein im US-Staat Louisiana auf 279. Weitere 214 wurden laut Angaben vom Sonntag in Mississippi geborgen.

Der vom Hurrikan "Katrina" und der anschließenden Flutkatastrophe angerichtete Gesamtversicherungsschaden beläuft sich laut einer neuen Schätzung des Rückversicherers Swiss Re auf 40 Milliarden Dollar. Zuvor war das Unternehmen von 20 Milliarden Dollar ausgegangen. Sollten sich diese Zahlen bestätigen, wäre "Katrina" der teuerste Hurrikan aller Zeiten.

Die Situation in New Orleans entspannte sich derweil weiter. Die Pegel gingen merklich zurück, trotzdem waren noch immer 50 Prozent des Stadtgebiets überschwemmt. Am Louis-Armstrong-Flughafen sollen ab Dienstag wieder Passagierflugzeuge starten und landen. Der Frachtverkehr wurde bereits am Sonntag wieder aufgenommen.



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