Zuflucht bei den Taliban Schwangere neuseeländische Journalistin in Afghanistan gestrandet

Charlotte Bellis berichtete über die Machtübernahme der Taliban, nun ist sie schwanger und will zurück nach Neuseeland. Ihr Heimatland lässt die Journalistin bisher nicht einreisen – in Afghanistan aber darf sie bleiben.

Sie sah keine andere Möglichkeit für sich und ihre Familie: Eine schwangere Journalistin aus Neuseeland hat die Taliban um Hilfe gebeten, um vorerst in Afghanistan bleiben zu können. Ihr Heimatland habe ihre Rückkehr bislang nicht genehmigt, berichtet Charlotte Bellis im »New Zealand Herald« . Ausgerechnet die radikalislamischen Taliban gewähren ihr nun Aufenthalt.

Bellis hatte im vergangenen Jahr für den Fernsehsender Al Jazeera über die Machtübernahme der Taliban berichtet und dabei internationale Aufmerksamkeit erlangt, als sie Taliban-Führer über ihre Behandlung von Frauen und Kindern interviewte.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Im »Herald«-Artikel schreibt Bellis, es sei »brutal ironisch«, dass sie die Taliban einst über ihre Behandlung von Frauen befragt habe und nun dieselben Fragen ihrer eigenen Regierung stelle: »Wenn die Taliban Ihnen – einer schwangeren, unverheirateten Frau – einen sicheren Hafen anbieten, wissen Sie, dass Ihre Situation verzwickt ist.«

Der Grund dafür ist Neuseelands restriktive Coronapolitik bei einer im internationalen Vergleich sehr geringen Fallzahl. Unter rund fünf Millionen Einwohnern gab es laut WHO  bislang rund 15.600 registrierte Fälle, 52 Menschen starben mit oder an den Folgen einer Coronainfektion. Auch Staatsangehörige  müssen sich nach der Einreise in eine zweiwöchige Quarantäne in staatlichen Einrichtungen begeben, die Plätze sind begrenzt.

Bellis schreibt, sie habe im vergangenen September festgestellt, dass sie von ihrem Partner, dem freien Fotografen Jim Huylebroek, schwanger sei, obwohl ihr die Ärzte gesagt hätten, sie könne keine Kinder bekommen. Es sei ein »Wunder«; im Mai soll ihre Tochter zur Welt kommen.

Im November habe sie aufgehört, bei Al Jazeera zu arbeiten, das Paar sei in Huylebroeks Heimat Belgien gereist. Aber als Neuseeländerin habe sie dort aufgrund der Aufenthaltsbestimmungen nicht lange bleiben können, so Bellis. Der einzige Ort, für den sie beide Visa hätten, sei Afghanistan.

Daher habe sie mit hochrangigen Taliban-Kontakten gesprochen, so Bellis. Sie hätten gesagt, es würde ihr gut gehen, falls sie nach Afghanistan zurückkehre: »Sag den Leuten einfach, dass du verheiratet bist, und wenn es eskaliert, ruf uns an. Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Nach eigenen Angaben hat Bellis 59 Dokumente an die neuseeländischen Behörden  geschickt, inklusive Impfnachweisen und Nachweisen über die Schwangerschaft – aber sie hätten ihren Antrag auf Rückkehr im Notfall Anfang der Woche abgelehnt.

Die Behörde will den Fall prüfen

Bellis sorgt sich besonders um die Geburt. Im Oktober habe sie über eine Entbindungsstation in Kabul berichtet, auf der Kaiserschnitte nicht gemacht werden konnten und die einzige Medizin Paracetamol gewesen sei.

Chris Bunny, der das Quarantänesystem in Neuseeland verantwortet, sagte dem »Herald«, Bellis' Notfallantrag entspreche nicht der Anforderung, dass sie binnen 14 Tagen einreisen müsse; sie habe das Datum 27. Februar beantragt, das außerhalb des Zeitfensters liege. Die Mitarbeiter, so Bunny weiter, hätten Bellis kontaktiert, damit sie einen weiteren Antrag stelle, der den Anforderungen entspreche.

Am Sonntag hieß es von Bellis' PR-Agentin , es habe ein weiteres Land der Journalistin Asyl angeboten, von der neuseeländischen Regierung habe man noch nichts gehört.

kah