CIA-Direktor über Chelsea Manning "Sie ist eine Verräterin Amerikas"

Die Whistleblowerin Chelsea Manning sollte an der Eliteuniversität Harvard Gastdozentin werden. Damit hat die Uni den CIA-Direktor Mike Pompeo auf den Plan gerufen - und ist jetzt zurückgerudert, zumindest teilweise.

Chelsea Manning

CIA-Direktor Mike Pompeo hat einen Auftritt an der Elite-Universität Harvard in den USA kurzfristig abgesagt. Seine Begründung: Er werde nicht kommen, weil die Hochschule die Whistleblowerin Chelsea Manning als Gastdozentin beschäftigen wolle. Denn diese Person habe mit der Weitergabe von militärischen Geheimdokumenten die USA verraten und das Leben von CIA-Agenten riskiert.

Manning, eine 29-jährige Transgender-Frau, hatte der Enthüllungsplattform Wikileaks vor Jahren rund 700.000 geheime Dokumente des US-Militärs zugespielt. Die Weitergabe gilt als der größte Geheimnisverrat in der Geschichte der USA.

Manning, die beim US-Militär als Analystin gearbeitet hatte, war dafür zu einer Freiheitsstrafe von 35 Jahren verurteilt worden, kam jedoch im Mai nach sieben Jahren frei. Der frühere US-Präsident Barack Obama hatte ihr in seinen letzten Amtstagen den Rest der Strafe erspart. Der Gerechtigkeit sei Genüge getan, sagte er.

In einem Interview mit dem Sender ABC hatte die Whistleblowerin ihr Handeln kürzlich gerechtfertigt: Sie habe gesehen, welchen menschlichen Tribut "Tod, Zerstörung und Chaos" in Irak fordern würden. Eine Sichtweise, die der CIA-Direktor nicht gelten lassen will: Pompeo kritisierte, dass die Whistleblowerin ihre "kriminellen Taten" weiterhin verteidige.

Pompeo: Manning gefährdete Leben von CIA-Mitarbeitern

Der CIA-Direktor hatte am Donnerstag eigentlich an einer Diskussion an der Kennedy School of Government in Harvard zu außenpolitischen Fragen teilnehmen sollen. Geplante Themen: Vorwürfe, Russland habe den US-Präsidentschaftswahlkampf manipuliert, die nukleare Bedrohung seitens Nordkorea und andere Sicherheitsfragen.

Wenige Minuten vor dem Auftritt sagte er jedoch ab. Mehrere Stunden später veröffentlichte die CIA einen Brief, den Pompeo an die Harvard-Leitung geschrieben hatte: Manning sei eine "Verräterin Amerikas", heißt es darin. Er stimme Vertretern des Militärs und Geheimdienstes zu, dass ihre Weitergabe von geheimen Informationen das Leben von CIA-Mitarbeitern gefährdet habe.

Mike Pompeo
AP/ CQ Roll Call

Mike Pompeo

Wenn er nach Harvard komme, würde er damit das Vertrauen, dass seine Mitarbeiter in ihn setzten, enttäuschen, schrieb der CIA-Direktor. Wikileaks sei mit einem "feindlichen, fremdlichen Geheimdienst vergleichbar". Seine Absage habe nichts mit der Tatsache zu tun, dass Manning Transgender sei, sondern "alles mit ihrer Identität als Verräterin der Vereinigten Staaten von Amerika und meiner Loyalität zu den Offizieren der CIA".

Der CIA-Direktor übte scharfe Kritik an der Harvard-Leitung. "Die Entscheidung vermittelt den Studenten den Eindruck, dass man sowohl Dozentin in Harvard als auch eine in den USA verurteilte Verbrecherin sein kann", monierte er. Wenige Stunden zuvor hatte Mike Morell, ehemaliger stellvertretender CIA-Direktor, mit einer ganz ähnlichen Begründung seinen sofortigen Rücktritt als Dozent erklärt.

Harvard: "Es war ein Fehler"

Er könne "nicht Teil einer Organisation sein, die einer verurteilten Verbrecherin und Geheimnisverräterin die Ehre erweise". Die Harvard-Leitung der Kennedy School of Government zog danach Konsequenzen - und nahm die Einladung an Chelsea Manning, künftig als Gastdozentin in Harvard tätig zu werden, zurück. Die Einladung, als Rednerin bei einem Forum aufzutreten, bleibe aber bestehen, sagte der Leiter Douglas Elmendorf.

"Manning als Gastdozentin einzuladen, war ein Fehler", sagte Elmendorf. Dafür übernehme er persönlich die Verantwortung. "Ich sehe jetzt deutlicher, dass die Menschen den Titel einer Gastdozentin als Auszeichnung begreifen. Das sollten wir berücksichtigen, wenn wir solche Einladungen aussprechen."

Ursprünglich sei geplant gewesen, dass Manning als kontrovers diskutierte Person neben anderen Dozenten zu einer "begrenzten Zahl" von Veranstaltungen auf den Campus komme, um Diskussionen dort zu befeuern. Weitere solcher Gäste sind den Angaben zufolge etwa der frühere Sprecher des Weißen Hauses Sean Spicer sowie der frühere Leiter von Donald Trumps Wahlkampagne, Corey Lewandowski.

fok/AP



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