Chemieunfall Katastrophenalarm in Bad Fallingbostel aufgehoben

Es gibt Entwarnung in Niedersachsen: Der Katastrophenalarm nach einem Chemieunfall beim Lebensmittelkonzern Kraft in Bad Fallinbostel wurde aufgehoben. Zuvor war es der Feuerwehr gelungen, die gefährliche Lage zu stabilisieren.

Großeinsatz in Niedersachsen: Feuerwehr stabilisiert Lage nach Chemieunfall
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Großeinsatz in Niedersachsen: Feuerwehr stabilisiert Lage nach Chemieunfall


Bad Fallingbostel - Die Giftgefahr beim Lebensmittelkonzern Kraft in Niedersachsen ist gebannt - dank eines Großeinsatzes von Feuerwehr und Bundeswehr. Etwa 20 Stunden nach dem Chemieunfall in Bad Fallingbostel wurde der Katastrophenalarm beendet. Der Feuerwehr sei es gelungen, die versehentlich in einem Reinigungsbehälter mit Salpetersäure vermischte Natronlauge abzupumpen, sagte Kreisbrandmeister Uwe Quante. Die rund 1200 von der Evakuierung Betroffenen dürften nun wieder zurück in ihre Wohnungen.

In dem Reinigungstank, in dem am Montag versehentlich 14.000 Liter von der Säure und 10.000 Liter Lauge zusammengemischt wurden, war am Morgen ein starker Temperaturanstieg festgestellt worden. Dies deutete auf eine Reaktion der beiden Stoffe hin. Messungen ergaben zwischenzeitlich eine Temperatur von etwa 107 Grad Celsius. Die Einsatzkräfte befürchteten, dass der doppelwandige Kunststoffbehälter dadurch schmelzen und das Säure-Lauge-Gemisch austreten könnte - eine zweite Giftwolke drohte.

Bereits am Montag war bei einer Reaktion eine Wolke aus sogenannten Nitrose-Gasen aufgestiegen. Sie sind gefährlich für Atemwege und Haut. "Beim Einatmen dieser Gase kann es im geringsten Fall zu einer Reizung der Atemwege mit Husten kommen, im schlimmsten Fall droht ein sogenanntes toxisches Lungenödem", sagte Notarzt Sven Wolf. Verletzt wurde bislang aber niemand.

Bis zu 1000 Rettungskräfte im Einsatz

Die Umgebung war in einem Radius von 500 Metern um das Werk geräumt worden. Die Autobahn 7, eine wichtige Nord-Süd-Achse, war bei Walsrode in beide Richtungen zeitweise komplett gesperrt. Dabei kam es nach Polizeiangaben teils zu erheblichen Verkehrsbehinderungen mit langen Staus.

Die Feuerwehr hatte wegen der drohenden Gefahr zahlreiche Einsatzkräfte von dem Gelände zurückgezogen. Nur noch etwa 20 Spezialisten waren unter anderem mit der Kühlung des Reinigungstanks und dem Abpumpen der Lauge beschäftigt. Im Laufe der Nacht waren bis zu 1000 Rettungskräfte im Einsatz, darunter auch ABC-Soldaten der Bundeswehr, sagte ein Feuerwehrsprecher.

In dem Kraft-Werk wird unter anderem Mirácoli hergestellt. Die Produktion stand seit Montag still. Der finanzielle Schaden blieb bislang unklar. Der Betrieb solle so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden, sagte Werksdirektor Carsten Boldt.

Die Reinigung von Tanks sowohl mit Lauge als auch mit Säure sei ein gängiges Verfahren in der Lebensmittelindustrie, sagte Renate Hoer von der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Frankfurt am Main. Lauge und Säure dürften sich aber nicht vermischen, da dabei gefährliche Stickstoffoxide entstünden. "Deswegen ist eine Evakuierung richtig, aber wenn die Wolke sich verdünnt hat, ist dann bald wieder Sicherheit gegeben."

wit/dpa/dapd



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