Chemieunfall in Hamburg Ermittler gehen von technischem Defekt aus

Die Ursache für das Unglück in einer Hamburger Chemiefirma beruht vermutlich auf einem technischen Defekt. Nach dem Austritt einer starken Lauge wurden 20 Menschen ins Krankenhaus gebracht.

Chemieunfall in Hamburg: Technischer Defekt
DPA

Chemieunfall in Hamburg: Technischer Defekt


Der Chemieunfall in Hamburg ist wohl auf einen technischen Defekt zurückzuführen. Dies hätten erste Untersuchungen ergeben, teilte Björn Marzahn, Sprecher der Hamburger Umweltbehörde, SPIEGEL ONLINE mit.

Die Feuerwehr war am Donnerstagabend um 20.44 Uhr alarmiert worden, dass in einer Firma im Stadtteil Billbrook ein unbekannter Stoff in Form einer Wasserdampfwolke austrete. Es meldeten sich Personen, die über Atemprobleme klagten, sagte Feuerwehrsprecher Hendrik Frese SPIEGEL ONLINE. Wie sich später herausstellte, war der Grund hierfür ein Leck in einem Tank, wodurch eine starke Lauge austreten konnte. Diese war laut Umweltbehörde zwar nicht giftig, hatte jedoch eine ätzende Wirkung. Das Mittel wird zur Reinigung von Metall genutzt. Wird es jedoch eingeatmet, kann es Ödeme, also Wassereinlagerungen, in der Lunge erzeugen.

Der Umweltbehörde zufolge lagern auf dem Gelände der Firma etwa 13 Tonnen der Lauge. Das Unternehmen vertreibt und produziert Zusätze für die Schmierstoffindustrie. Die Firma sei der Stadt bekannt, werde regelmäßig überprüft und sei auf einem guten Stand der Technik. Man sei mit dem Umweltschutz-Management zufrieden, so Marzahn.

Im Tank sei mutmaßlich durch einen technischen Defekt ein Überdruck entstanden, weshalb sich ein Sicherheitsventil zum Druckausgleich öffnete, so der Sprecher. Die endgültige Klärung, was den Druck herbeiführte, werde noch ein paar Tage dauern.

Bei dem Unfall wurden zwei Menschen wohl doch stärker verletzt als bislang angenommen. Sie werden auf einer Intensivstation behandelt. Laut Polizei und Feuerwehr wurden insgesamt 20 Personen ins Krankenhaus gebracht. Eine Polizistin sei über Nacht zur Beobachtung in der Klinik geblieben.

Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot von mehr als 120 Einsatzkräften aus. Nach etwa einer Stunde wurde das Leck geflickt. 48 Menschen seien notärztlich untersucht worden, weil sie über Reizungen der Atemwege oder Augen klagten. 20 von ihnen wurden später ins Krankenhaus gebracht, sagte Frese.

Grundsätzlich, so der Feuerwehrsprecher, sei es in solchen Situationen immer besser, im Haus zu bleiben und Türen sowie Fenster zu schließen. Die Wolke sei jedoch über das Belüftungssystem in ein benachbartes Hotel gelangt, schließlich sei die Belastung drinnen höher gewesen als draußen. Das Gebäude wurde evakuiert.

In Zusammenarbeit mit dem Wetterdienst habe die Feuerwehr eine Prognose erstellt, wohin die Wolke als nächstes ziehen würde. Daher war zunächst eine Warnung für die westlichen Stadtteile Hammerbrook, Rothenburgsort und Hamm ausgegeben worden. Im Laufe des Abends habe die Wolke dann Kurs gen Norden genommen, weswegen der Bereich noch einmal erweitert wurde. Zu dem Zeitpunkt habe sie sich jedoch schon stark verflüchtigt, die Warnung sei pro forma gewesen.

Die Feuerwehr hatte auf Twitter und Facebook bis zur Entwarnung am frühen Freitagmorgen Updates zur Entwicklung veröffentlicht. Dennoch fragten sich viele Hamburger, wie sie von der Warnung hätten erfahren können, wenn sie nicht in den sozialen Medien aktiv waren, oder zu der abendlichen Stunde vor dem Fernseher saßen.

"Wir haben bewertet, wo es konkret eine Gefahr gab", sagt Frese dazu. Neben einer Warnung, die an die Rundfunkanstalten gegeben wurde, seien im näheren Umfeld die Menschen durch Lautsprecherdurchsagen oder direkt von der Polizei informiert worden. In den Gebieten, wo es nur noch zu Geruchsbelästigungen kam, sei es jedoch "tolerabel, wenn jemand bei offenem Fenster schläft oder über die Straße geht", so Frese. Auf Durchsagen habe man daher verzichtet.

Ein zuverlässiger Kanal für Information ist der Service des Katastrophenwarnsystems der Stadt Hamburg. Weitere Informationen finden Sie hier.

gam

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.