China Dammbruch könnte Tausende Tonnen giftiger Chemikalien hochspülen

Neue Gefahr im chinesischen Erdbebengebiet: Unter einem durch Erdrutsche entstandenen Stausee bei Beichuan sollen 5000 Tonnen gefährlicher Chemikalien begraben sein. Sollte der Damm brechen, würden Salz- und Schwefelsäure das Land überschwemmen.


Beichuan - Die giftigen Substanzen könnten bei einem Dammbruch am Tangjia-Berg weggespült werden und müssten deshalb geborgen werden, schreibt die Zeitung "Xin Jing Bao" am Donnerstag unter Berufung auf die Umweltbehörden. Bedenklich: Zwar sei "ein Großteil des radioaktiven Materials" bereits aus der Gefahrenzone gebracht worden, erklärten die Behörden. Doch auch mögliche Reste nuklearen Materials könnten bei einer erneuten Katastrophe gefährlich werden - in dem Erdbebengebiet befindet sich das wichtigste Atomwaffenforschungslabor Chinas.

Derzeit arbeiten Hunderte Soldaten und Ingenieure fieberhaft an der Konstruktion einer riesigen Abflussrinne für den anschwellenden Erdbeben-See oberhalb der Stadt Beichuan. Um eine Katastrophe durch einen Dammbruch zu verhindern, wurden bereits mehr als 150.000 Menschen aus dem überflutungsgefährdeten Gebiet in Sicherheit gebracht.

Das Finanzministerium stellte eine Milliarde Yuan, umgerechnet knapp 92 Millionen Euro, bereit, um die geschätzten 35 gefährlichen Stauseen in der Region unter Kontrolle zu halten.

Der Stausee am Tangjia-Berg war entstanden, nachdem massive Erdrutsche den Fluss Jianjiang oberhalb der Stadt Beichuan gestaut hatten. Beichuan liegt in der bergigen Provinz Sichuan nahe dem Epizentrum des verheerenden Erdbebens der Stärke 8,0.

Doch auch gute Nachrichten kommen aus der Katastrophenregion: Über zwei Wochen lang harrten 40 Bewohner des von der Außenwelt abgeschnitten Dorfes Yangjiagou in der Provinz Sichuan aus - jetzt konnten sie geschwächt und halb verhungert mit einem Hubschrauber ausgeflogen werden. Bei den Geretteten handelt es sich einem Bericht der "West China Metropolitan Daily" zufolge um Dorfbewohner und mehrere Bergarbeiter. Sie wurden zunächst in ein nahe gelegenes Lager für Katastrophenopfer gebracht.

Nach dem Erdbeben in der Provinz Sichuan geben die Behörden die Zahl der Toten derzeit mit mehr als 68.000 an, etwa 20.000 Menschen gelten noch als vermisst.

ala/Reuters

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