China Mehr als 500 Hinrichtungen pro Monat

Amnesty International klagt an: In China wurden in drei Monaten 1781 Menschen exekutiert. Das Europäische Parlament hat sich daher gegen die Vergabe der Olympischen Spiele an Peking im Jahr 2008 ausgesprochen.


20. April 2001: Eine Frau wird in Peking zum Tode verurteilt und am selben Tag hingerichtet
AFP

20. April 2001: Eine Frau wird in Peking zum Tode verurteilt und am selben Tag hingerichtet

London - "In China sind in den vergangenen drei Monaten mehr Menschen hingerichtet worden als im Rest der Welt in den vergangenen drei Jahren", teilte die in London ansässige Menschenrechtsorganisation am Freitag mit. Weitere 2690 Menschen seien seit April in China zum Tode verurteilt worden.

Diese Zahlen lägen noch weit unter der tatsächlichen Zahl von Hinrichtungen und Todesurteilen, da immer nur ein Teil der Fälle bekannt würde. Mit dem Tode bestraft würden unter anderem Vergehen wie Korruption, Zuhälterei, Veruntreuung, Steuerhinterziehung, Drogenhandel und Gewalttätigkeit. Eine Sprecherin des Ministeriums für öffentliche Sicherheit in Peking sagte, die im April begonnene Sonderkampagne gegen Kriminalität werde zwei Jahre dauern und möglicherweise die größte seit 1949 sein.

Nach Angaben von Amnesty stehen Polizei und Justiz unter starkem Druck der Politik, in kürzester Zeit möglichst viele Straftäter zu verurteilen. Das Risiko von Justizirrtümern und der Hinrichtung von Unschuldigen sei dadurch immens. So habe sich die Polizei in der Provinz Hunan gebrüstet, 3000 Fälle in zwei Tagen gelöst zu haben. Amnesty forderte China auf, "effektivere und humanere Strafen" zu verhängen.

Angesichts der Menschenrechtsverletzungen hat sich das Europäische Parlament in Straßburg in einer Resolution dagegen ausgesprochen, die Austragungsrechte der Olympischen Sommerspiele 2008 an Peking zu vergeben.



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