Skandal in Shanghai Tote Schweine im Überfluss

Die Kadaver stinken und verfaulen: In Shanghai wurden mehr als 8300 tote Schweine aus einem Fluss gezogen. Für die Trinkwasserversorgung besteht angeblich keine Gefahr, doch die Bewohner haben ihre Zweifel.


Peking - Mit dem Wasser dieses Flusses will man nicht in Berührung kommen, geschweige denn es trinken: Aus dem Fluss Huangpu in Shanghai sind in den vergangenen Tagen insgesamt 8354 Schweinekadaver herausgezogen worden. Allein am Donnerstag und Freitag fischten die Behörden 1753 aufgedunsene, teilweise verfaulte und stinkende Tierkadaver aus dem Wasser.

Der Fluss versorgt die Metropole mit Trinkwasser. Die Regierung versichert, es sei für die 23 Millionen Einwohner der Stadt gesundheitlich unbedenklich. Doch das vermag Anwohner angesichts der ekelhaften Bilder und Gerüche nicht zu beruhigen.

Die toten Schweine sollen angeblich aus Zuchtbetrieben kommen, die flussaufwärts in der Nähe der Stadt Jiaxing in der Provinz Zhejiang liegen. Seitdem die Polizei verstärkt gegen Unternehmer vorgeht, die kranke Tiere schlachten, hat die Zahl der in den Fluss geworfenen Schweine stark zugenommen. Chinesische Zeitungen berichteten, ein Schweinebauer habe zugegeben, die Kadaver im Fluss entsorgt zu haben. Gegen ihn wird ermittelt.

Fotostrecke

7  Bilder
Shanghai: Schweinekadaver im Fluss
In China müssen Nutztiere, die an einer Krankheit gestorben sind, verbrannt oder begraben werden. Es gibt jedoch Bauern, die das kontaminierte Fleisch trotzdem an die Schlachtereien verkaufen. Schweinezüchter beklagen, man habe zu wenig Land, um all die Kadaver vorschriftsmäßig zu entsorgen.

Schwein ist Chinas beliebteste Fleischsorte. Ende vergangenen Jahres gab es in dem Land 475 Millionen der Tiere. Die Gewinnmargen sind klein - für manche Züchter könnte das ein Anreiz gewesen sein, durch die Entsorgung toter Tiere im Fluss Kosten zu sparen.

Züchter werden Kadaver auch illegal los, weil es für erkrankte Tiere keine Ausgleichszahlungen in der Industrie gibt. "Wenn Krankheiten bei Tieren festgestellt werden, gibt es keinen Mechanismus, durch den die Regierung die Züchter entschädigt, um die Ausbreitung der Krankheiten zu kontrollieren", sagt Feng Yonghui, Experte für die Schweinezuchtindustrie. Zudem weigern sich Versicherungen oft wegen der unkalkulierbaren Risiken, Verträge mit großen Schweinezüchtern abzuschließen.

Allein in einem Dorf mit mehreren Schweinefarmen seien im vergangenen Monat 7000 bis 8000 Tiere verendet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf einen Umweltschutzkontrolleur. Und ein Dorfbewohner sagte, es habe im Huangpu schon immer tote Schweine gegeben - nur hole sie die Regierung jetzt mit anderem Müll aus dem Wasser.

ulz/AP/Reuters



insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
petrasha 15.03.2013
1. pfui teufel
man kann kaum glauben, dass menschen mit hirn so eine sauerei schaffen können. hier sollten die strafen drastisch ausfallen.
vielfeindvielehr 15.03.2013
2. Vorwarnung
... seitens der deutschen Vertretungen vorort wurde hoffentlich schon unser Ministerium für "Verbraucherschutz" ausreichend informiert ? Es fehlen nur noch ein paar Tage dann hätten wie einen Rekord: "1 Woche aus den Hauptschlagzeilen !!"
ratxi 15.03.2013
3. Kein Problem!
Zitat von sysopAFPDie Kadaver stinken und verfaulen: In Shanghai wurden mehr als 7500 tote Schweine aus einem Fluss gezogen. Für die Trinkwasserversorgung besteht angeblich keine Gefahr, doch die Bewohner haben ihre Zweifel. China: Rund 7500 Schweinekadaver aus Fluss in Shanghai gezogen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/china-rund-7500-schweinekadaver-aus-fluss-in-shanghai-gezogen-a-889078.html)
Trinkwasser? Kein Problem! Das Wasser ist nach wie vor kristallbraun und riecht wie immer.
ratxi 15.03.2013
4. Reicht das?
Zitat von petrashaman kann kaum glauben, dass menschen mit hirn so eine sauerei schaffen können. hier sollten die strafen drastisch ausfallen.
Wahrscheinlich bekommt der Bauer Tod durch Genickschuß. Ist das drastisch genug?
stefanbodensee 15.03.2013
5. Die Wurst isses ...
Wo glaubt Ihr denn, daß ein nicht unerheblicher Teil unserer schönen 'Wurstpellen' herkommt ? Denkt Ihr etwa, daß wir hier in Deutschland soviel Schweinedarm produzieren, daß das ausreichen würde ? Eher nicht - es wird zum Beispiel gerne (und billig) aus China zugekauft - und das ganze dann als 'Deutsche Wurst' weiterverkauft. Aber klar, Pfui Teufel sagen und weiterhin schön in die Wurst reinbeißen ... ! ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.