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18. Mai 2006, 16:10 Uhr

China

Taifun reißt mehrere Menschen in den Tod

Der Taifun "Chanchu" ist mit zerstörerischer Wucht über den Süden Chinas hinweggefegt. Mehr als ein Dutzend Menschen kamen ums Leben, rund eine Million Menschen sind auf der Flucht. Häuser stürzten ein, aus den Hängen lösten sich Schlammlawinen.

Peking - In China hat der Taifun mindestens 18 Menschen in den Tod gerissen. Mehr als eine Million Einwohner der südchinesischen Provinzen Guangdong und Fujian wurden nach Behördenangaben in Sicherheit gebracht. In der Küstenstadt Shantou, wo der Wirbelsturm das Festland erreichte, wurden fast alle Straßen überflutet. Zwei Kindern starben unter einem einstürzenden Haus. Ein Dorf wurde durch Überschwemmungen vollständig von der Umwelt abgeschnitten, die Armee musste die mehr als 6000 Einwohner retten. Fast 200 Häuser in dem Ort stürzten ein. Der Strom ist weiträumig ausgefallen.

Heftige Wellen an der Küste: "Chanchu" fegt über China
REUTERS/ China Daily

Heftige Wellen an der Küste: "Chanchu" fegt über China

Der Wirbelsturm erreichte in der Nacht das chinesische Festland und zog dann in Richtung Norden weiter. Dutzende Flüge wurden gestrichen und rund 100.000 Fischerboote in die Häfen zurückgerufen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie gewaltige Wellen an die Südküste schlugen. Laut Berichten wurden mehrere Deiche zerstört und zahlreiche Bäume entwurzelt. Die Metropole Hongkong verschonte der Sturm.

Experten gehen davon aus, dass "Chanchu" auch über die Großstädte Wenhzou und Shanghai hinwegziehen wird. Nach Einschätzung von Meteorologen wird der Sturm sich aber abschwächen, so dass den beiden Städten keine größeren Verwüstungen drohen. Dennoch gaben die Behörden eine Warnung vor Erdrutschen heraus.

Vor der Küste werden noch immer 27 vietnamesische Fischer vermisst, die mit ihren Booten in den Weg des Sturms geraten waren. 67 weitere Seeleute konnten sich auf die Insel Dong Sha retten, wie die vietnamesische Küstenwacht mitteilte. Vietnam bat China um Hilfe bei der Suche nach den Vermissten.

In Taiwan kostete der Sturm zwei Frauen das Leben, wie die Behörden mitteilten. Die Opfer seien am Mittwoch während heftiger Regenfälle in der südlichen Region Pingtung von Wassermassen mitgerissen worden. In den Schulen auf der vorgelagerten Insel Kinmen fiel heute wegen "Chanchu" der Unterricht aus. Nahe der südtaiwanischen Hafenstadt Kaohsiung lief ein Öltanker auf Grund. Die 13-köpfige Besatzung wurde mit Hubschraubern gerettet.

"Chanchu" war am Morgen vom Taifun zum Tropensturm herabgestuft worden. Am Mittag legte er jedoch wieder an Stärke zu und zog mit Geschwindigkeiten bis 45 Kilometer pro Stunde in Richtung Nordosten weiter. Sein Zentrum befindet sich rund 30 Kilometer nordöstlich von Fozhou, der Hauptstadt von Fujian. Der Taifun hatte Ende vergangener Woche bereits über den Philippinen getobt. Dabei kamen 41 Menschen ums Leben, Tausende wurden obdachlos. Nach Angaben der Wetterforscher ist "Chanchu" der bislang stärkste Wirbelsturm in der Region in diesem Monat.

ffr/AP/AFP/dpa

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