Moschee-Dachverband CDU-Innenpolitiker fordert Ausschluss der Ditib aus Islamkonferenz

Der CDU-Politiker Christoph de Vries spricht sich im SPIEGEL dafür aus, die Ditib von der Deutschen Islamkonferenz auszuschließen - bis die "umfassende Abhängigkeit" des Moschee-Dachverbands von der Türkei beendet ist.

Ditib-Moschee in Köln
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Ditib-Moschee in Köln

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Der CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries fordert einen Ausschluss des umstrittenen Verbands Ditib von der Deutschen Islamkonferenz. Dessen "umfassende Abhängigkeit" vom türkischen Staat befördere die Desintegration türkischstämmiger Muslime in Deutschland.

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"Ditib sollte so lange aus der Deutschen Islamkonferenz suspendiert werden, bis der Verband sich satzungsrechtlich und personell unabhängig gemacht hat von der Türkei", sagt de Vries. Zudem solle die Einreise von Ditib-Imamen aus der Türkei, die bisher in einem vereinfachten Verfahren nach Deutschland zum Predigen kommen können, unterbunden werden, so der CDU-Politiker. Andere Islamverbände seien bereits seit Längerem in der Lage, ihre Imame in Deutschland auszubilden und selbst zu finanzieren.

Bestätigt sieht sich de Vries von einer Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags. Die Experten des Parlaments konstatieren darin, "dass die in Deutschland ansässigen Moscheevereine vielfach ausländischen Einflüssen unterliegen und eine Bekennung zum Grundgesetz oft nicht angenommen werden dürfte." Als Negativbeispiel wird unter anderem Ditib aufgeführt, mit mehr als 900 Mitgliedsvereinen der größte Moschee-Dachverband in Deutschland. Gesteuert wird er vom staatlichen türkischen Präsidium für religiöse Angelegenheiten.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Atheist_Crusader 22.02.2019
1.
Überfällig. Ich weiß sowieso nicht warum wir es fremden Ländern erlauben, hier solchen Einfluss auf die Leute auszuüben. Das geht vielleicht mit Dänen oder Franzosen weil die nicht klinische geisteskrank sind. Aber Regierungen wie die türkische oder saudische sind ganz einfach nicht vertrauenswürdig. Die benutzen irregeleitete Loyalität zu ihrem Land oder dem Islam allgemein um hier Menschen dahingehend zu beeinflussen dass sie in deren nationalem Interesse handeln. Das ist ganz einfach nicht hinnehmbar.
Freidenker10 22.02.2019
2.
Warum wird das noch diskutiert? Diesen Erdogan abhängigen Verein hätte man längst schließen müssen! Warum dauert das alles immer so eeeewig in unserem Land?
Sonia 22.02.2019
3. Richtig
Wenn der Islam zu unsetem Land gehötmren soll, muss der gefährliche Einfluss von Außen in unser Land hinein beendet werden. Ansonsten könnte unsere religiöse Freiheit uns mehr als nur auf die Füße fallen. Das fängt für mich sogar damit an, dass Vollverschleierung u. Kopftuch als Unterdrückungsinstrumente gegenüber Frauen zu verbieten sind. Wer das als Zeichen religiöser Selbstbestimmung versteht, hat nichts begriffen. Frauen, die in Syrien ohne diese Schleier aufwuchsen, lebten, verschleiern sich hier aus Furcht vor Leuten bestimmter Strömungen des Islam, die hier frei u. ungestraft ihr Unwesen treiben.
schulz.dennis.84 22.02.2019
4. Wieso jetzt erst?
Seit Jahren ist es doch bekannt, dass die Ditib der verlängerte Arm von Erdogans ist und alles nur nicht die Interessen und die Werte unseres Landes vertritt. Ganz im Gegentei: Da gibt es ein Comic der Ditib für kleine türkische Kinder, die das Sterben für Allah und für Edogan verherrlichen. In Ditib-Moscheen haben kleine Kinder erst vor Kurzem in Armeeuniformen den Dschihad gegen Ungläubige gespielt. (Das Video kam aus Versehen an die Öffentlichkeit) Wieso in aller Welt wird so ein Verband überhaupt zur Islamkonferenz eingeladen?
tallinn1960 22.02.2019
5. Was nötig wäre
Ja, man kann Ditib aus der Islamkonferenz ausschliessen. Doch das wird keine Probleme lösen. Was wirklich nötig wäre, ist eine Normalität des Islam in der deutschen Öffentlichkeit. Wir wollen keine Imane, die aus dem Ausland zu uns geschickt werden, um hier zu predigen? Dann müssen wir wie bei den christlichen Kirchen in Partnerschaft mit der islamischen Religionsgemeinschaft Ausbildungsstellen für Imane im Inland schaffen. Wir wollen nicht, dass muslimischen Kindern krude Dinge erzählt werden, die ihnen das Land fremd werden lassen, in dem sie aufwachsen? Dann müssen wir einen islamischen Religionsunterricht schaffen mit in Deutschland ausgebildeten Lehrern. In Bayern schafft man diesen Unterricht, von dem die CSU schon die ganze Zeit nicht müde wurde, zu betonen, dass es sich dabei nicht um Religionsunterricht im herkömmlichen Sinne handele - was er aber im Wesentlichen war - wieder ab. Der Modellversuch ist beendet, alle Betroffenen, Schulen, Eltern, Kinder, sind begeistert davon, nur die Politik nicht. Warum auch immer. Welche Ergebnisse soll ein Modellversuch eigentlich für die CSU liefern, damit sie ihn als erfolgreich anerkennt? Solange wir den Islam bei uns nicht als weitere Religionsgemeinschaft willkommen heissen, müssen wir uns nicht wundern, wenn er in Deutschland eine vom Ausland dominierte Veranstaltung bleibt.
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