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Zeitgeschichte Chrobog: Kohl überraschte auch Genscher mit Zehn-Punkte-Plan zur deutschen Einheit

aus DER SPIEGEL 27/2022

Jürgen Chrobog, Ex-Staatssekretär und einst Pressesprecher von Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), berichtet in seinen Memoiren (»Ein Leben in der Politik«) Neues vom historischen Zwist zwischen Genscher und Kanzler Helmut Kohl. Demnach überraschte Kohl nach dem Mauerfall nicht nur die Welt­öffentlichkeit, sondern auch Genscher, als er am 28. No­vember 1989 unerwartet seinen Zehn-Punkte-Plan zur deutschen Einheit im Bundestag vorstellte.

Aus: DER SPIEGEL 27/2022
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[M]: J.H. Darchinger / Friedrich-Ebert-Stiftung; Getty Images

Angst vor dem Abstieg

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Selten habe er diesen »so aufgebracht« gesehen, schreibt Chrobog. Auch die Alliierten waren empört. Kohl wollte die Einheit auf die internationale Tagesordnung setzen, bevor Rivale Genscher es tat. Offenbar eine berechtigte Befürchtung. Laut Chrobog warf der Außenminister intern die Frage auf »warum nicht wir auf eine ähnliche, aber bessere Idee gekommen waren«. Chrobog zufolge versuchte Kohl auch, Genscher vom Europäischen Rat der Staats- und Regierungschef fernzuhalten: Die Delegationen seien zu groß. Damit scheiterte der CDU-­Politiker – Genscher gelang es, die meisten Außenminister der anderen Staaten von der Notwendigkeit ihrer Teilnahme zu überzeugen. Die Zusam­menarbeit mit dem Kanzleramt sei »in allen Kohl-Jahren nicht erfreulich« gewesen, bilanziert Chrobog.

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