Chronologie Die Krankengeschichte des Pontifex

Die Krankenakte des Papstes ist lang: Die Gemelli-Klinik in Rom hat Johannes Paul II. schon so oft aufgenommen, dass die italienische Presse das Gebäude "den dritten Vatikan" getauft hat - nach dem Sitz des Kirchenoberhauptes am Petersplatz und der Sommerresidenz des Papstes in Castel Gandolfo.


13. Mai 1981:

Der Papst wird auf dem Petersplatz von dem Türken Mehmet Ali Agca niedergeschossen. Er erleidet schwere Verletzungen im Unterleib sowie an einer Hand und muss sich im Gemelli-Krankenhaus einer Operation unterziehen. Der Klinikaufenthalt dauert 20 Tage.

20. Juni 1981: Johannes Paul II. wird wegen der Schussverletzungen abermals ins Krankenhaus eingeliefert. Am 5. August erfolgt eine weitere Operation, am 14. August wird er wieder aus der Klinik entlassen.

15. Juli 1992: Der Papst unterzieht sich einem Eingriff zur Entfernung eines gutartigen Dickdarmtumors.

11. November 1993: Nach einem Sturz von einer Treppe im Vatikan kugelt sich Johannes Paul II. den rechten Oberarm aus.

29. April 1994: Beim Sturz in seinem Badezimmer bricht sich der Papst ein Bein. Daraufhin wird ihm ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt.

25. Dezember 1995: Während der Weihnachtsmesse auf dem Petersplatz wird Johannes Paul II. infolge einer Grippe von Fieber und Übelkeit befallen. Die Messe muss unterbrochen werden.

13. März 1996: Der Papst sagt wegen einer neuerlichen Grippeerkrankung eine Messe im Petersdom ab.

15. August 1996: Der Papst sagt Audienzen ab, weil er nach Angaben des Vatikans an einer fiebrigen Darmgrippe leidet.

8. Oktober 1996: Dem Papst wird der Blinddarm entfernt.

Februar 1997: Wegen Grippe und Fieber sagt Johannes Paul II. wieder Audienzen ab.

15. Juni 1999: Eine Grippe mit leichtem Fieber hält den Papst davon ab, bei einem Besuch in seiner polnischen Heimatstadt Krakau eine Messe vor einer Million Menschen zu zelebrieren. Im selben Jahr sagt er abermals aus Krankheitsgründen Audienzen ab.

24. September 2003: Absage von Audienzen wegen einer Darmkrankheit.

31. Januar 2005: Der Vatikan gibt eine "leichte Grippeerkrankung" des Papstes bekannt, woraufhin öffentliche Auftritte abgesagt werden.

1. Februar: Der Papst wird wegen akuter Atembeschwerden ins Gemelli-Krankenhaus von Rom eingeliefert.

10. Februar: Johannes Paul II. kehrt in den Vatikan zurück.

24. Februar: Nach einem Rückschlag wird der 84-Jährige mit Grippe-Symptomen erneut in die Gemelli-Klinik gebracht. Die Ärzte nehmen einen Luftröhrenschnitt vor, so soll dem Papst die Atmung erleichtert werden.

13. März: Der Papst kehrt in den Vatikan zurück.

27. März: Zum ersten Mal während seiner fast 26. jährigen Amtszeit kann der Papst nicht an den Osterfeierlichkeiten teilnehmen. Dennoch versucht er den Segen Orbi et Orbi zu sprechen. Die Stimme versagt ihm dabei.

30. März: Der Vatikan gibt bekannt, dass der Papst über eine Sonde ernährt werden muss. Kurz zuvor hatte sich der Papst gegen den Rat seiner Ärzte am offenen Fenster seiner Wohnung im Vatikan gezeigt. Als er versuchte zu sprechen gelang es ihm nicht. Der Anblick des sich in Schmerzen windenden Papstes erschreckt viele Menschen auf dem Petersplatz so, dass sie zu weinen beginnen.

31. März: Der Papst leidet an hohem Fieber, zudem sei sein Blutdruck stark abgefallen, erklärt ein Sprecher des Vatikans am späten Abend. Das Kirchenoberhaupt hat die Letzte Ölung erhalten. Auf dem Petersplatz versammeln sich die Gläubigen, um für Johannes Paul II. zu beten.

1. April: Der Zustand des Papstes hat sich dramatisch verschlechtert. Johannes Paul II. befindet sich nach einem septischen Schock und einem Herz-Kreislauf-Kollaps in einem "sehr ernsten Zustand", erklärte ein Sprecher des Vatikans. Er sei aber bei Bewusstsein und "gelassen". "Diese Nacht öffnet Christus dem Papst die Tür", mit diesen Worten bereitet Erzbischof Angelo Comastri Katholiken in aller Welt auf den baldigen Tod ihres Kirchenoberhauptes vor.

2. April: Der Zustand von Johannes Paul II. ist weiter extrem kritisch. Er habe seit dem Morgen hohes Fieber, sei jedoch noch bei Bewusstsein, teilt der Vatikan mit. Während des Rosenkranzgebetes am Abend werden die Gläubigen auf dem Petersplatz informiert: Johannes Paul II. ist um 21.37 Uhr gestorben. Die Gläubigen applaudierten.



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