Chronologie Die Spur des Braunbären

Wochenlang hat Bruno mit seinem Herumstreunen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregt. Eine Chronik des Bärenalarms.


10. Mai: Das erste Mal wird die deutsche Öffentlichkeit auf den sich nähernden Braunbären aufmerksam. Er reißt im österreichischen St. Gallenkirch ein Schaf. Bezirkshauptmann Leo Walser schließt nicht aus, dass der Bär über die Grenze nach Bayern wandern könnte.

18. Mai:Das bayerische Umweltministerium bereitet sich auf die Ankunft des Bären im Freistaat vor. Ministeriumssprecher Eichhorn sagt, der Bär sei ein "willkommener Gast".

21. Mai: Das erste Mal seit 170 Jahren befindet sich wieder ein wilder Braunbär in Bayern. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen reißt er sieben Schafe - drei davon in Dickelschwaig im Graswangtal und vier auf den Reschbergwiesen bei Farchant.

22. Mai: Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) gibt den Bären zum Abschuss frei. Zuvor war das Tier in Grainau in einen Stall eingedrungen und hatte vier Schafe und sechs Vögel getötet. "Aus Meister Petz ist ein Problembär geworden", warnt Schnappauf. Auch Tirol erlässt eine Abschusserlaubnis.

23. Mai: Das Erzbischöfliche Ordinariat München sorgt für Erstaunen, als es eine Verbindung zwischen der Rückkehr des Bären und des bevorstehenden Bayern-Besuchs durch Papst Benedikt XVI. herstellt. "Der hat schließlich einen Bären, den Freisinger Korbiniansbären, ins Papstwappen aufgenommen und so mit hoher Autorität das Heimatrecht des Bären in Bayern neu bekräftigt."

25. Mai: Die Umweltschutzorganisation WWF bestellt bei Grizzly-Experten im US-amerikanischen Montana eine Lebendfalle.

27. Mai: Im Zillertal in Tirol bricht der Bär auf einer noch unbewirtschafteten Alm bei Fügen zwei Bienenstöcke auf.

28. Mai: Der Bär reißt im Zillertal im Bereich der Schlagalm zwei Ziegen.

29. Mai: Die Herkunft des Bären ist geklärt. Laut DNA-Abgleich handelt sich um ein zwei Jahre altes Tier aus Italien. Die Elterntiere heißen Jurka und Joze - daher der Spitzname JJ1. Auch die Mutter gilt als so genannter Problembär, zeigt also ein ungewöhnliches, für die Umgebung problematisches Beuteverhalten. Ein Tiroler Taxifahrer erspäht Bruno im Raum Pertisau unweit des Achensees.

1. Juni: Das Umweltministerium fordert zur Jagd auf Bruno ein finnisches Fangteam mit eigens ausgebildeten Bären-Spürhunden an.

2. Juni: Die Tiroler Landesregierung nimmt den Abschussbefehl für den Braunbären zurück. Sie hofft darauf, dass das Tier mit Hilfe der finnischen Experten lebend eingefangen werden kann.

4. Juni: Bruno reißt in der Gemeinde Klais im Landkreis Garmisch-Partenkirchen drei Schafe.

5. Juni: Der Bär tötet in der Nacht zum Pfingstmontag am Lautersee in der Nähe von Mittenwald drei weitere Schafe. Er läuft dabei unmittelbar an einem Gasthof und einer Pension vorbei.

6. Juni: Im österreichischen Leutasch im Gaistal nahe der bayerischen Grenze reißt Bruno zwei Hasen.

7. Juni: Das Raubtier wird in der Nähe des österreichischen Ortes Zirl gesehen. WWF-Mitarbeiter rücken mit Bärenfallen aus, bleiben aber erfolglos.

10. Juni: Die finnischen Bärenjäger kommen in Bayern an.

11. Juni: Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zeigt sich verwundert über die Aufregung um den streunenden Braunbären in Bayern. "In Österreich sehen wir die Frage entspannter", sagt Schüssel der "Bild am Sonntag". Unterdessen zerstört der Bär in der Tiroler Gemeinde Terfens einen Hasenstall.

12. Juni: Ein deutscher Wanderer sieht den Bären im Gebiet der österreichischen Engalm und fotografiert ihn.

15. Juni: Der Bär wird auf einer Bundesstraße am bayerischen Sylvensteinsee von einem Auto gestreift. Er flüchtet unverletzt durchs Wasser.

16. Juni: Bruno entkommt den finnischen Jägern im bayerischen Brauneckgebiet nur knapp. Obwohl ihn einer der Spürhunde aufspürt, können die Experten ihn nicht betäuben. Der Bär reißt erneut ein Schaf.

17. Juni: Bruno streift durch den bayerischen Luftkurort Kochel am See. Er bricht einen Stall auf und tötet zwei Kleintiere. Außerdem zerstört er einen Bienenstock. Die Spürhunde verlieren wegen starker Regenfälle die Witterung des Bären.

19. Juni: Der Braunbär reißt auf einer Weide im oberbayerischen Kreuth zwei Schafe und räumt wieder einen Bienenstock aus.

21. Juni: Die finnischen Bärenjäger stellen Bruno in der Nähe der Ortschaft Brandenberg in Tirol unweit des Achensees. Dennoch kann das Raubtier erneut entkommen.

23. Juni: Der Bär reißt im Bezirk Kufstein ein Schaf. Die finnischen Bärenjäger geben auf und reisen erfolglos ab.

24. Juni: Die Landesregierungen von Bayern und Tirol stellen alle Fangversuche ein und wollen den Bären abschießen lassen. Das Tier reißt im Rotwandgebiet oberhalb des Spitzingsees ein Schaf.

26. Juni: Am frühsten Morgen spüren drei Jäger Bruno im bayerischen Rotwandgebiet auf und erschießen ihn.

str/ddp



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