Club-Brand in Russland Staatsanwaltschaft klagt Eigentümer an

Mehr als 100 Menschen starben, als im Nachtclub "Lahmes Pferd" im russischen Perm ein Flammeninferno ausbrach. Nun hat die Staatsanwaltschaft vier Menschen angeklagt, darunter den Eigentümer des Clubs. Doch auch die Behörden müssen sich Vorwürfe gefallen lassen.

dpa

Perm - Die Zahl der Opfer ist inzwischen auf 113 gestiegen, noch immer ringen Menschen mit dem Tod: Nach dem Feuer in einem Nachtclub in Perm hat die russische Öffentlichkeit schwere Konsequenzen für die Verantwortlichen gefordert. Nun hat die Staatsanwaltschaft gegen vier Personen Anklage erhoben: Gegen den Eigentümer, den Manager und den Unterhaltungschef des Clubs sowie den Direktor einer Feuerwerksfabrik, dessen Produkte den Brand anscheinend ausgelöst haben. Den vier Angeklagten droht bei einem Schuldspruch eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren.

Zwei Tage nach dem verheerenden Feuer gedachte Russland mit einem nationalen Trauertag den Opfern. Landesweit wehten die Flaggen auf Halbmast, während Unterhaltungssendungen im Fernsehen ausfielen und Trauergottesdienste abgehalten wurden. Vor dem Nachtclub in Perm legten die Menschen Blumen nieder, viele Autofahrer hupten in Gedenken an die Toten.

Präsident Dmitrij Medwedew rief das Parlament auf, die Gesetze bei Verstößen gegen Brandschutzbestimmungen zu verschärfen. Ministerpräsident Wladimir Putin kündigte bei einer Kabinettssitzung zusätzliche Brandschutzkontrollen in öffentlichen Gebäuden vor den Silvesterfeiern an.

Den Behörden zufolge hatten die Betreiber des Clubs mehrfach Aufforderungen ignoriert, die Vorschriften einzuhalten. Auslöser der Katastrophe in der Nacht zum Samstag war ein Feuerwerk, für das es keine Genehmigung gab.

Die russische Presse machte unterdessen auch die Behörden für das Unglück verantwortlich. Es stelle sich die Frage, warum die Einhaltung der Brandschutzvorschriften nicht schärfer kontrolliert worden sei, schreibt die Zeitung "Komsomolskaja Prawda". Und die "Wremja Nowostei" kritisierte, dass bislang kein Behördenvertreter eine Erklärung dazu abgegeben habe, warum der Nachtclub trotz zahlreicher "skandalöser" Sicherheitsmängel nicht geschlossen wurde.

hut/AP/AFP



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