Concorde-Absturz Schmerzensgeld in Rekordhöhe

300 Millionen Mark Entschädigung für die Angehörigen der Concorde-Opfer? Die in der Presse veröffentlichte Summe ist nach Angaben der Hinterbliebenen-Anwälte völlig falsch. Sicher ist - die Höhe des Schmerzensgeldes setzt neue Maßstäbe.


25. Juli 2000: Brennende Concorde kurz vor dem Absturz
REUTERS

25. Juli 2000: Brennende Concorde kurz vor dem Absturz

Berlin - Das Angebot der Air France übertreffe alle jemals nach einem Flugzeugunfall mit deutschen Opfern geleisteten Zahlungen, erklärte der Anwalt Ronald Schmid, ohne eine konkrete Summe zu nennen. "Die Welt" berichtete, dass das Vergleichsangebot Zahlungen von rund 300 Millionen Mark für jeden Toten vorsehe. Der Kölner Opfer-Anwalt Gerhart Baum dementierte die Summe am Dienstag. Dies seien keine realistischen Aussagen, sagte der frühere Bundesinnenminister. Mit seinen Anwaltskollegen Ronald Schmid und Elmar Giemulla vertritt er die Hinterbliebenen von 80 der 99 deutschen Todesopfern.

Ronald Schmid nannte es sensationell, dass in den Verhandlungen ein Schmerzensgeld erzielt worden sei. Das Schmerzensgeld sei für jeden Einzelfall ausgehandelt worden. "Jeder erhält etwas anderes." Ein entscheidender Grund für die sich abzeichnende Einigung sei sicher die Drohung mit einer Klage in den USA gewesen. Diese hätte eingereicht werden können, weil die Unglücks-Concorde am 25. Juli letzten Jahres in Richtung New York starten wollte. Daher sei die Höhe der Zahlungen nicht in jedem Fall ein Maßstab bei künftigen Unfällen, sagte Frankfurter Jurist.

Derweil startete am Dienstag in Paris eine Concorde, um zum südfranzösischen Militärstützpunkt Istres zu fliegen. Dort sind weitere Tests zur Wiedererlangung der Flugzulassung geplant. Auf Istres will der Hersteller EADS am Boden und im Flug die von Michelin gefertigten neuen Reifen für das Überschallflugzeug überprüfen. Ein geplatzter Reifen war nach bisherigen Erkenntnissen der Auslöser der Katastrophe. Gummiteile schlugen gegen die Tragfläche, ein Tank brach infolge einer Schockwelle von innen her auf. In Istres wurden bereits Versuche an einer Concorde mit simulierten Lecks in den Tanks durchgeführt. Diese sollen von innen mit dem Spezialkunststoff Kevlar verstärkt werden, um ein Szenario wie bei dem Absturz auszuschließen. Mit diesem Umrüstungsprogramm wollen Hersteller sowie die Fluggesellschaften Air France und British Airways die Flugzulassung für die Überschalljets wiedererlangen.

Bei der Concorde-Katastrophe am 25. Juli 2000 nahe Paris waren 113 Menschen gestorben, darunter 96 deutsche Touristen. Vor einer Woche hatten Opfer-Anwälte das Vorliegen eines Schadenersatz-Angebots bestätigt, aber keine konkrete Summe genannt. Die nun kursierende Höhe der Zahlung ist bisher einmalig für deutsche Verhältnisse.



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