Concorde Diskussion über Wiederzulassung

Bereits einen Tag nach dem vorläufigen Aus für das Überschallflugzeug beraten die französische und die britische Luftfahrtbehörde darüber, unter welchen Bedingungen die Concorde wieder starten könnte.


Die Beamten diskutierten am Donnerstag, welche technischen Veränderungen an dem Überschallflieger vorgenommen werden müssten. Sie hüllten sich nach dem Treffen jedoch in Schweigen. "Beide Seiten sind in gleicher Weise zur Zusammenarbeit entschlossen, um eine Lösung zu finden, damit Concorde wieder in aller Sicherheit in Dienst gestellt werden kann", hieß es in einer Mitteilung. Eine gemeinsame Erklärung soll es erst am Freitag geben. Der Text müsse noch abgestimmt werden, sagte ein britischer Sprecher.

Wird sie doch wieder fliegen?
AFP

Wird sie doch wieder fliegen?

Am Mittwoch hatten die französische und die britische Luftfahrtbehörde der Concorde die Zulassung bis auf Weiteres entzogen. Begründet wurde dies mit den katastrophalen Auswirkungen, die ein einzelner geplatzter Reifen bei dem Concorde-Absturz am 25. Juli gehabt hatte. Beim Absturz einer Concorde während des Starts waren am 25. Juli 113 Menschen ums Leben gekommen.

Manager von British Airways (BA) haben die französischen Luftfahrtbehörden wegen des Flugverbots kritisiert. Sie hätten das vorläufige Ende der britischen Concordes erzwungen, obwohl die BA-Maschinen sicherer seien als die Concordes der Air France, warfen namentlich nicht genannte BA-Manager in der Donnerstagausgabe der "Times" den französischen Behörden vor. "Alles hier riecht nach Politik", sagte ein Manager. "Wir wissen, dass die Franzosen sowieso nicht mehr darauf aus sind, die Concorde zu fliegen, und dies sieht zunehmend nach einem Versuch aus, die ganze Sache sterben zu lassen."

Wenn es beispielsweise um begrenzte Änderungen im Zusammenhang mit den Reifen gehe, dann könne alles rasch abgewickelt werden, sagte der französische Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot dem Radio-Sender Europe 1. "Sollte aber die gesamte Konzeption des Flugzeuges verändert werden müssen, dann unterliegen wir einer anderen Logik." Die Behörden beider Länder müssten jetzt zunächst einmal festlegen, wie sie vorgehen wollten.

Die Konstrukteure und Betreiber der Concorde-Flugzeuge werden nach Gayssots Worten die "finanzielle Verantwortung" für Veränderungen an den Flugzeugen zu übernehmen haben. Es werde allerdings zu überlegen sein, welche Hilfe der Staat in diesem Fall werde beitragen können.

Trotz des Flugverbots für die Concorde glaubt Gayssot an eine "neue Generation von Überschallflugzeugen". Der Lizenzentzug bedeute nicht das Ende der Concorde und nicht das Ende der Überschallflüge. Falls ein neues Überschallflugzeug gebaut werde, "dann wird man das aber nicht allein oder zu zweit (Frankreich und Großbritannien) tun können", erklärte der Minister. Ein neues Überschallflugzeug werde zweifellos auf europäischer Ebene oder sogar zusammen mit den USA gefertigt werden müssen. Der Minister stellte sich damit auch gegen Medien, die von einem Ende der Überschallflüge sprechen. Nach seiner Einschätzung gibt es weiterhin einen Markt für Überschallflüge. Über eine zweite Generation denke bereits ein Wissenschaftsausschuss nach.



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