Concorde-Katastrophe Angehörige der Opfer in Paris

Nach dem verheerenden Absturz eines Concorde-Überschallflugzeuges sind die ersten Angehörigen der 113 Opfer in Paris eingetroffen. Unterdessen sind Flugschreiber und Stimmenrekorder gefunden worden. Nach ersten Erkenntnissen könnte ein Triebwerksschaden die Absturzursache sein.


Die Concorde umittelbar vor dem Absturz - aufgenommen von einem Amateurfotografen
REUTERS

Die Concorde umittelbar vor dem Absturz - aufgenommen von einem Amateurfotografen

Paris - Auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle sind erste Angehörige der 96 deutschen Opfer des Concorde-Absturzes eingetroffen. Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) empfing sie persönlich und sagte ihnen Hilfe zu. Außerdem steht ein in Frankreich zusammengestelltes Team von Psychologen, Ärzten und Krankenschwestern bereit, um die Angehörigen der Toten in einem Notfallzentrum zu betreuen.

Die Angehörigen sollen über den genauen Ablauf des Unglücks und über geplante Trauergottesdienste informiert werden. Außerdem solle besprochen werden, wann die Überführung der Toten möglich sei, sagte Klimmt.

Mit einem Trauergottesdienst auf dem Expo- Gelände in Hannover hat die Bundesregierung der Opfer des Concorde-Absturzes gedacht. "Deutschland ist erschüttert, Deutschland ist fassungslos. Unser Respekt gilt den Toten, unser Mitgefühl den Angehörigen", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder während einer ökumenischen Feierstunde im Christus-Pavillon. Schröder sagte, Deutschland und Frankreich seien nach dem Unglück in der Trauer vereint. "Ich denke, dass gerade hier der Ort ist, das Mitgefühl und Solidarität der Nationen zu zeigen", meinte der Kanzler unter Hinweis auf die Weltausstellung mit rund 170 teilnehmenden Staaten. Er habe bereits zahlreiche Beileidsbekundungen aus aller Welt erhalten und werde sie den Angehörigen übermitteln, die nun Abschied nehmen müssten. "Aber was ist das für ein Abschied nach den Träumen, die diese Menschen gehabt haben."

Zwei Minuten nach dem Start am Dienstagnachmittag in Paris war das Überschallflugzeug, das etwa vier Stunden für den Flug nach New York gebraucht hätte, nahe am Flughafen aufgeschlagen. Absturzursache war nach den ersten Erkenntnissen ein Problem mit dem Triebwerk. Genauere Hinweise werden von der Auswertung der beiden Flugschreiber erwartet, die fünf Stunden nach dem Unglück gefunden wurden. Ihre Auswertung könnte bis zu 48 Stunden dauern, berichtete der Zivilluftfahrt-Direktor Pierre Graf.

Die Absturzstelle
DPA

Die Absturzstelle

Die Passagiere des Unglücksflugzeugs der Air France waren auf dem Weg nach New York. Von dort aus wollten sie auf eine Kreuzfahrt in die Karibik aufbrechen. Flug AF 4590 war von der deutschen Reederei Deilmann gechartert worden. Nach den Angaben der Reederei findet die Kreuzfahrt mit dem Luxusschiff "MS Deutschland" trotz der Katastrophe statt.

Unter den 100 Passagieren befanden sich neben den Deutschen auch zwei Dänen, eine Österreicherin und ein Amerikaner. Insgesamt standen 49 Frauen, 48 Männer und drei Kinder auf der Passagierliste. Die deutschen Touristen kamen aus fast allen Landesteilen: Allein 39 Opfer lebten in Nordrhein-Westfalen, elf in Hessen und zehn in Bayern. Die weiteren Reisenden kamen aus Berlin (8), Niedersachsen (8), Hamburg (7), Schleswig-Holstein (7) sowie Mecklenburg- Vorpommern, Baden-Württemberg und Brandenburg (jeweils zwei Tote). Die neun getöteten Besatzungsmitglieder stammten aus Frankreich. Zudem kamen vier Menschen in einem nahe der Unglückstelle gelegenen Hotel um: zwei Polen, eine britische Touristin und eine französische Frau.

Löscharbeiten am Unglücksort
DPA

Löscharbeiten am Unglücksort

Der Absturz ereignete sich am Dienstagnachmittag gegen 16.45 Uhr unmittelbar vor dem Pariser Vorort Gonesse. Augenzeugen berichteten, das linke Triebwerk des Flugzeugs habe unmittelbar nach dem Abheben Feuer gefangen. Das Überschallflugzeug habe in ungewöhnlich niedriger Höhe noch die nahe gelegene Autobahn überquert und sei aus einer Höhe von etwa 50 Metern abgestürzt. Dabei fiel es teilweise auf das Hotel.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.