Containerunfall auf dem Rhein Unglücksfrachter hatte Riss im Rumpf

Zwei Tage nach der verheerenden Schieflage eines Frachtschiffs bei Köln scheint die Unfallursache geklärt. Ein Riss im Rumpf des Frachters "Excelsior" war vermutlich der Grund für den Unfall, der den gesamten Schiffsverkehr auf dem Rhein lahm legt.


Köln - Nach den bisherigen Erkenntnissen spreche vieles dafür, dass durch das Leck Wasser in das Schiff eingedrungen sei und zu der verhängnisvollen Schieflage und dem Verlust der 31 Container geführt habe, sagte der Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft, Detlef Nowotsch. Vollständige Klarheit über die Unglücksursache sollen nun Untersuchungen von Sachverständigen bringen, die mit der Klärung des Vorfalls beauftragt wurden. Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" war bei dem Unglücksschiff schon vor der Havarie eine Schräglage aufgefallen.

Bergung eines Gefahrengut-Containers aus dem Rhein: Millionenschaden für die Reeder
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Bergung eines Gefahrengut-Containers aus dem Rhein: Millionenschaden für die Reeder

Die durch die Havarie verursachte Vollsperrung des Rheins entwickelt sich unterdessen zu einem immer größeren Problem für die Binnenschifffahrt in Deutschland. Rund 200 Lastkähne stauten sich heute vor der Unglücksstelle, wie die Wasserschutzpolizei in Köln mitteilte.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sagte bei einem Besuch vor Ort, er hoffe, dass der Rhein am Freitag wieder für den Schiffsverkehr freigegeben werden könne - oder vielleicht sogar etwas früher. "Alles hat hervorragend geklappt", lobte Tiefensee die Einsatzkräfte. Der SPD-Politiker sprach sich gegen eine vorschnelle Verschärfung der Vorschriften für die Container-Schifffahrt aus. "Wir haben ein sehr, sehr gutes Sicherheitssystem. Man muss erst einmal Ursachenforschung betreiben", sagte Tiefensee.

"Das ist höhere Gewalt"

Die Sperrung verursacht nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt für jedes vor Anker gegangene Schiff rund 2000 Euro Betriebskosten pro Tag. Die Binnenschifffahrt rechnet mit einem Millionenschaden für die Reeder. "Solche Schäden werden von niemandem bezahlt. Das ist höhere Gewalt", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands, Jens Schwanen. Zu den Kosten für die wartenden Schiffe kämen noch die Belastungen für Schiffe hinzu, die wegen der Sperrung nicht losgefahren seien oder in entfernten Häfen ankern.

Drei Spezialschiffe haben unterdessen mit der Bergung der verloren gegangenen 31 Container begonnen. Das Hauptaugenmerk galt dabei zunächst drei Gefahrgut-Containern mit Kunststoffkleber, die seit dem Schiffsunfall im Fluss lagen. "Die Gefahrgutcontainer haben absolute Priorität", sagte die Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamts Köln, Birgitta Beul.

Zwischen sechs und acht Stunden kann nach Angaben von Werner Friese von der Wasserschutzpolizei die Bergung eines einzelnen Containers dauern. Taucher müssen in der starken Strömung des Rheins mühsam Stahlseile an den Behältern anbringen. Mit Kränen und Hebeböcken werden die Container dann aus dem Wasser gezogen. "Wie lange die Bergung genau dauert, hängt davon ab, wie schwer die Container sind, wo sie liegen, was sie geladen haben und ob sie beschädigt sind", erklärte Beul. Neben den Gefahrgutcontainern hätten dabei die Container in der Fahrrinne Vorrang.

Tony van Os, Kapitän des Containerschiffs "Kamaro", sagte, er hoffe auf eine baldige Freigabe des Sperrgebiets. "Eine einspurige Durchfahrt würde uns schon weiterhelfen". Für den Niederländer und seine Besatzung hieß es aber zunächst einmal abwarten. Landgang gab es dennoch nicht. Wenn Kunden ihre Ladung dringend bräuchten, dann müssten einzelne Container auf einen Lkw umgeladen werden, erklärte van Os. "So lange wir hier festsitzen machen wir die Arbeiten, die wir sonst immer vor uns herschieben: Wir streichen."

han/AP/dpa



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