Verwirrung um Vier-Wochen-Frist Nordrhein-Westfalen präzisiert Boosterempfehlung

Meldungen über Corona-Auffrischungsimpfungen nach vier Wochen hatten in NRW Diskussionen ausgelöst. Nun stellte das Gesundheitsministerium klar: Möglich ist das – in Ausnahmefällen.
Coronaimpfung in Köln (Archivbild): Hin und Her um Boosterzeitpunkt

Coronaimpfung in Köln (Archivbild): Hin und Her um Boosterzeitpunkt

Foto: Oliver Berg / dpa

Auch in Nordrhein-Westfalen sollen Corona-Auffrischungsimpfungen nach vier Wochen die Ausnahme bleiben. Bei einem Booster solle »im Regelfall« ein Abstand von mindestens fünf Monaten zur Grundimmunisierung eingehalten werden, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Im Rahmen der kommunalen Impfangebote könnten sich allerdings auch Personen boostern lassen, deren Grundimmunisierung mindestens vier Monate zurückliege. Zuvor hatten Meldungen Aufsehen erregt, dass in NRW Boosterimpfungen schon nach vier Wochen möglich seien. Das sei jedoch »ausdrücklich keine Empfehlung, sondern eine absolute Untergrenze für Einzelfallentscheidungen« hieß es nun. Hierbei solle eine »medizinische Indikation« vorliegen.

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte am Dienstag bestätigt, dass Boosterimpfungen in NRW grundsätzlich nach vier Wochen möglich seien. Dies sei zwar nicht als Empfehlung zu verstehen, betonte Wüst. Wer allerdings frühestens vier Wochen nach der Zweitimpfung zum Boostern komme, werde auch nicht weggeschickt. Experten hatten diesen Alleingang des bevölkerungsreichsten Bundeslandes kritisiert. Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen teilten die Ansicht nicht. Im Landtag sorgten die Ankündigungen der Landesregierung ebenfalls für heftige Kritik.

Der Oppositionsführer im Landtag, SPD-Landtagsfraktionsvorsitzender Thomas Kutschaty, kritisierte die Vier-Wochen-Regelung in NRW zur Boosterimpfung als ein »kommunikatives Desaster«. Man werde einen »Run auf Impfeinrichtungen und Ärzte haben«, sagte er. Er fürchte »Vordrängler« und »Ellenbogen«. Außerdem sei es nicht angebracht, sich nach vier Wochen boostern zu lassen – wenn es nicht medizinisch notwendig sei.

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Kritik an frühem Booster

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie hatte kritisiert, vier Wochen nach der Zweitimpfung seien bestimmte immunologische Prozesse noch nicht abgeschlossen. Der Booster wirke dann viel schlechter. »Die Politik hat hier zwei Dinge vermischt, die nicht vermischt werden dürfen«, sagte Carsten Watzl (Dortmund), Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, am Dienstag. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, manche Menschen schon nach vier Wochen zu boostern, beziehe sich nur auf Menschen mit geschwächtem Immunsystem, die auf die ersten beiden Impfungen nicht oder kaum reagiert hätten, erklärte der Immunologe.

Auch die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk (Hannover), hält eine Verkürzung für falsch. »Aus immunologischer Sicht sind vier Wochen Abstand zu der dritten Impfung zu früh«, sagte Falk. Das Immunsystem sei dann noch mit der »Reifung« zugange. »Dabei werden vor allem die Antikörper noch einmal verbessert – wie bei der Reifung eines guten Weines«.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein teilte am Dienstag mit, man halte eine generelle Verkürzung der Frist zum Boostern nicht für sinnvoll. Sofern das Gesundheitsministerium an seinem Erlass festhalte, betreffe dies daher nur die kommunalen Impfangebote, nicht die Arztpraxen. Für früheres Boostern müssten medizinisch individuelle Umstände vorhanden sein, welche die Abweichung rechtfertigen, begründete ein Sprecher auf Anfrage. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe sieht »keinen Sinn« in einer Auffrischungsimpfung vor Ablauf von mindestens vier Monaten.

bbr/dpa