Festnahme in Wisconsin US-Apotheker soll Hunderte Corona-Impfdosen sabotiert haben

Im US-Bundesstaat Wisconsin ist ein Apotheker festgenommen worden. Er soll vorsätzlich mehr als 500 Impfdosen unbrauchbar gemacht haben. Ein Teil des unwirksamen Impfstoffs wurde bereits verimpft.
Corona-Impfstoff von Moderna: Das Motiv der Tat ist bisher unklar

Corona-Impfstoff von Moderna: Das Motiv der Tat ist bisher unklar

Foto: EDUARDO MUNOZ / REUTERS

Vor wenigen Wochen haben die USA damit begonnen, gegen das Coronavirus zu impfen. Doch auch dort ist der Impfstoff knapp. Mehrere Bundesstaaten fordern von Präsident Donald Trump, schnell mehr Impfdosen zu erhalten. In Wisconsin reichen die vorrätige Vakzinen längst nicht, um alle impfwilligen Mitarbeiter des Gesundheitswesens zu versorgen. Nun soll ein Apotheker in dem Bundesstaat vorsätzlich Hunderte Impfdosen unbrauchbar gemacht haben.

Offiziellen Angaben zufolge soll der Mann bewusst 57 Ampullen zu je zehn Dosen des Moderna-Impfstoffs ungekühlt gelassen haben. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass der Verdächtige den Impfstoff vorsätzlich aus der Kühlung genommen und über Nacht stehen gelassen habe, erklärte die Polizei in der betroffenen Stadt Grafton am Donnerstag. Der Mann habe zugegeben, dass er gewusst habe, dass die Impfdosen damit unbrauchbar würden.

Der Vorfall ereignete sich laut Polizei bereits am 26. Dezember. Von dem unwirksamen Impfstoff seien noch 57 Dosen verabreicht worden. Dann hätten die Mitarbeiter des Aurora Medical Centers bemerkt, dass der Impfstoff nicht mehr wirksam sein könne. Die übrigen Ampullen wurden verworfen. Der Wert der zerstörten Impfstoffe wird auf rund 8000 bis 11.000 US-Dollar geschätzt.

Für jene Personen, die mit dem unwirksamen Impfstoff geimpft worden seien, bestehe dem Krankenhaus zufolge keine Gefahr. Die Impfungen müssten jedoch wiederholt werden.

Noch keine Anklage erhoben

Wie die Nachrichtenagentur AP und lokale Medien berichten, wurde der Apotheker entlassen. Anklage sei bisher nicht erhoben worden. Gegen den Mann werde wegen des Verdachts auf vorsätzliche Gefährdung anderer und Verfälschung eines verschreibungspflichtigen Medikaments ermittelt.

Das Motiv für die Tat war zunächst unklar. Dem Krankenhaus zufolge habe der Verdächtige die Impfampullen am 24. Dezember aus dem Kühlschrank entfernt und über Nacht draußen stehen lassen. Am 25. Dezember habe er die Ampullen erneut aus der Kühlung entnommen und nicht wieder zurückgestellt. Ein anderer Mitarbeiter des Aurora Medical Centers habe die Ampullen dann am Morgen des 26. Dezembers entdeckt.

Zunächst habe der Apotheker angegeben, die Ampullen aus dem Kühlschrank genommen zu haben, um an etwas in der Kühlung heranzukommen. Nach mehreren Befragungen habe der Mann dann zugegeben, dass der Impfstoff zwei Nächte in Folge bei Zimmertemperatur gelagert worden sei.

Der Corona-Impfstoff von Moderna wurde am 19. Dezember in den USA zugelassen. Kurz zuvor hatte bereits der vom Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer entwickelte Corona-Impfstoff eine Notfallzulassung in den USA bekommen.

asc/dpa/AP