Tod ohne Abschied, Trauerfeiern im Stream Bestatter schlagen Alarm

Der Bundesverband Deutscher Bestatter fordert laut einem Medienbericht, seine Mitglieder als systemrelevante Berufsgruppe anzuerkennen. Die Anforderungen in der Coronakrise seien groß.
Sargträger bei einer Beerdigung

Sargträger bei einer Beerdigung

Foto: Kzenon / imago images / Panthermedia

Der Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) schlägt angesichts stark gestiegener Corona-Todesfälle Alarm: Laut einer Vorabmeldung der »Rheinischen Post« in Düsseldorf fordert dessen Generalsekretär Stephan Neuser, den Beruf endlich als systemrelevant anzuerkennen. Dies sei auch nach neun Monaten Pandemieerfahrung noch immer nicht der Fall.

Bestatter gäben professionelle Hilfe und Beratung in der Pandemie, sie seien besonders mitfühlend und könnten den trauernden Angehörigen mit Empathie begegnen, sagte Neuser. Die Anerkennung der Systemrelevanz sei wichtig, denn dadurch würde etwa die Beschaffung von knappem Arbeitsmaterial wie Schutzkleidung oder Desinfektionsmittel erleichtert. Dies sei nicht nur für die Versorgung von an Covid-19 Verstorbenen unverzichtbar.

Zudem hätten Bestatter und deren Mitarbeitende bei Systemrelevanz auch grundsätzlich Zugang zu regionaler Notbetreuung ihrer Kinder. »Offensichtlich ist weder Homeoffice noch ein Mitlaufen der Kinder im Berufsalltag für diese Berufsgruppe möglich«, sagte Neuser, dessen Verband laut eigenen Angaben 3100 Bestattungsunternehmen mit 4500 Filialen vertritt .

Dass die Kompetenzen der Bestatter in der Pandemie besonders gefragt sind, liegt auf der Hand. Am Mittwoch meldete des RKI 952 Corona-Tote in den vergangenen 24 Stunden – ein trauriger Höchststand seit März. Aber nicht nur mehr Arbeit fällt bei den Bestattern an, auch die Dienstleistung selbst ändert sich, es ist wie überall mehr digitale Kompetenz gefragt.

»Teilweise konnten Angehörige sich weder vom Sterbenden im Krankenhaus oder Pflegeheim verabschieden, noch am offenen Sarg ein letztes Wort zum Abschied sprechen«, so der BDB-Generalsekretär. Bestatter gäben Beistand in dieser schweren Zeit und entwickelten gemeinsam mit den Trauernden auch neue Rituale zur Trauerbewältigung.

»Selbst das Streamen von Trauerfeiern wurde auf Friedhöfen realisiert, um Angehörigen, die nicht anreisen durften oder konnten, die Teilhabe an diesem letzten Gang zu ermöglichen«, sagte Neuser.

»Insbesondere während der Feiertage sollten Familie und Freunde sich die Zeit nehmen, Trauernden in ihrem Schmerz beizustehen«, so Neuser. Es sei wichtig, offen darüber zu sprechen, was dem Einzelnen guttut, und Räume zu schaffen, in denen die Trauer auch als tröstend und heilsam empfunden werden könne.

ala