Kinder nach Paraguay geschafft Gesuchte Impfgegner melden sich per Videobotschaft

Die Impfgegner, die ihre Kinder aus früheren Beziehungen heimlich nach Paraguay mitnahmen, haben nun nach Monaten ein erstes Lebenszeichen gesendet: In einem Video fordern sie, dass die Suche nach ihnen eingestellt wird.
Ein in Paraguay veröffentlichter Steckbrief der Untergetauchten

Ein in Paraguay veröffentlichter Steckbrief der Untergetauchten

Foto: antisecuestro.gov

Ende November 2021 setzte sich ein deutsches Ehepaar mit zwei Kindern aus früheren Beziehungen nach Paraguay ab. In einem Abschiedsbrief erklärten die Eheleute sinngemäß, diesen Schritt wegen der in Deutschland geltenden Coronaregeln gehen zu müssen. Die Flucht nach Paraguay wurde an den in Deutschland lebenden Elternteilen vorbeigeplant und durchgeführt. Seit sechs Monaten suchen sie verzweifelt ihre Kinder.

Der SPIEGEL hatte über den Fall berichtet , in Paraguay wird nach dem Paar mittlerweile mit einem internationalen Fahndungsersuchen gefahndet.

Am Dienstagmittag wurde das Fahrzeug der Untergetauchten in Paraguay im Grenzgebiet zu Argentinien verlassen aufgefunden, in dem Zusammenhang gab es laut der paraguayischen Zeitung ABC Color  auch eine Festnahme. Einige Stunden später veröffentlichte das gesuchte deutsche Ehepaar ein gemeinsames Video mit den zehn und elf Jahre alten Mädchen.

In der hochemotionalen Botschaft meldet sich zunächst Andreas Egler, der Vater eines der entzogenen Kinder. »Wir sind die Familie Egler, die weltweit mittlerweile gesucht wird wie Schwerverbrecher, wie Mörder, wie Kriminelle« so der 45-Jährige. Laut seiner Frau Anna Egler hätten sie die »Kinder nur schützen wollen.« Und jetzt »wollt ihr uns trennen«.

In dem Video, das dem SPIEGEL vorliegt, sitzen Eltern und Kinder eng beisammen vor einer weißen Zimmerwand. Die beiden Mädchen machen dabei einen äußerlich gesunden Eindruck, sie scheinen zumindest körperlich wohlbehalten. Während der zweieinhalbminütigen Aufnahme sprechen alle vier abwechselnd, wobei sie ihre Aussagen höchstwahrscheinlich von einem Skript ablesen.

Die Kinder betonen dabei, dass sie »nicht mehr gesucht« und »nicht getrennt« werden wollen. Clara, die Tochter der Essenerin Anne Maja Reiniger, die seit einem halben Jahr verzweifelt nach ihr sucht, sagt mit schluchzender Stimme: »Ich will, dass die Welt weiß, dass ich freiwillig mitgekommen bin und nicht entführt worden bin.«

»Beenden Sie diese Situation«

Ingo Bott ist Rechtsanwalt in Deutschland. Er vertritt Anne Maja Reiniger und Filip Blank – die beiden Eltern, die seit sechs Monaten ihre Kinder suchen. Bott wendet sich gemeinsam mit einem paraguayischen Kollegen in einem offenen Brief direkt  an Andreas und Anna Egler. In der Videonachricht, so schreibt er den Kindesentziehern, »fordern Sie, die Suche einzustellen. Sie verlangen von unseren Mandanten, den Verlust ihrer Kinder zu akzeptieren.«

Die Behörden, so Bott weiter, ermitteln »in Paraguay, Deutschland und über Interpol weltweit«. Das Wohl der Kinder sei mit einem Leben auf der Flucht, »für das Sie sich entschieden haben, nicht vereinbar. Beenden Sie diese für alle belastende Situation.«

tgk
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