Corona-Proteste in Berlin Polizei untersagt Demo - und lässt sie trotzdem laufen

Wieder gibt es in der Hauptstadt Protest gegen die Corona-Politik. Viele Teilnehmer ignorierten den Infektionsschutz, die Polizei ließ sie trotz ausdrücklichen Verbots unbehelligt demonstrieren.
Polizeiabsperrung am Alexanderplatz vor Beginn der Demo (25.10.2020)

Polizeiabsperrung am Alexanderplatz vor Beginn der Demo (25.10.2020)

Foto: Paul Zinken / dpa

Aus Protest gegen die staatlichen Corona-Beschränkungen sind am Sonntag in Berlin erneut Demonstranten auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von rund 2000 Menschen, die sich auf dem Alexanderplatz im Bezirk Mitte versammelten. Angemeldet war der Aufzug für 2500 Teilnehmer.

Die Polizei sprach von einer dynamischen Lage. "Es wurde weitgehend weder der Mindestabstand noch die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung eingehalten", twitterte die Polizei. Dies waren jedoch Auflagen gewesen. Daher sei dem Anmelder der Demonstration untersagt worden, einen Aufzug zu beginnen.

Dann wurde die Lage auf dem Alexanderplatz unübersichtlich. Ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa berichtete, Demonstranten seien aus der Menge ausgebrochen und abseits des Alexanderplatzes ohne Polizeibegleitung umhergelaufen.

In einer Durchsage der Polizei hieß es außerdem, die Veranstaltung auf dem Alexanderplatz sei von der Veranstalterin aufgelöst worden. Es war zu beobachten, dass Polizisten auch gegen einzelne Teilnehmer vorgingen - etwa sie am Boden fixierten oder wegtrugen.

"Wir wollen diese Bilder nicht"

Die meisten Teilnehmenden ließ die Polizei jedoch unbehelligt auf der geplanten Demoroute über die Karl-Marx-Allee laufen, obwohl diese Menschen gegen die Auflagen der Demonstration verstießen. Auf Nachfrage sagte der Einsatzleiter dem SPIEGEL: "Natürlich hätten wir sie aufhalten können. Aber wir wollen diese Bilder nicht." Die Polizei war nach eigenen Angaben mit rund 600 Kräften im Einsatz. 

Schon nach der Querdenken-Demo Ende August in Berlin hatte es viel Kritik an der Polizei gegeben. Sie habe die Einhaltung der Infektionsschutzregeln nicht durchsetzen können - und einen vorab angekündigten Sturm der Treppe des Reichstagsgebäudes nicht verhindert.

Unter den Demonstranten befanden sich auch diesmal wieder Familien mit Kindern und ältere Menschen. Sie trugen Protesttransparente, einige waren auch mit Trommeln und Trillerpfeifen unterwegs. Auf dem Alexanderplatz und auf der Karl-Marx-Allee riefen die Demonstranten unter anderem "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit raubt" und "Wir sind das Volk".

Von Polizei untersagte Demo endet gegen 16 Uhr

Die Demonstranten zogen am Sonntagnachmittag dann wie geplant zum Veranstaltungszentrum Kosmos, in dem ursprünglich die Gesundheitskonferenz "World Health Summit" stattfinden sollte. Die Konferenz wird wegen steigender Infektionszahlen aber nur online durchgeführt.

Alle Ansprachen und Debatten würden digital gehalten, teilte eine Sprecherin des Gipfels mit. Sprechen sollen auf dem dreitägigen Gesundheitsgipfel etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Offiziell eröffnet werden soll der Gipfel am Sonntagabend.

Gegen 16 Uhr wurde die Demonstration vom Anmelder beendet, wie die Berliner Polizei auf Twitter mitteilte. Laut der Nachrichtenagentur dpa kamen Polizisten auf die Bühne. Die Teilnehmer sollten den Ort rasch verlassen, andernfalls wollte die Polizei mit Anzeigen reagieren. 

hda/dpa
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