Folgen der Coronapandemie WHO verzeichnet starken Anstieg psychischer Erkrankungen

Allein im ersten Coronajahr entwickelten laut WHO rund 25 Prozent mehr Menschen eine Depression oder Angststörung. Die Weltgesundheitsorganisation sagt, die Politik hätte mehr dagegen tun müssen.
Eine Gesprächstherapie kann helfen, psychische Erkrankungen zu überwinden

Eine Gesprächstherapie kann helfen, psychische Erkrankungen zu überwinden

Foto: NomadSoul / imago images/Panthermedia

Die Coronapandemie hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu einem deutlichen Anstieg bei einigen psychischen Erkrankungen geführt. Allein im ersten Jahr der Pandemie seien die Fälle von Depressionen und Angststörungen um ein Viertel gestiegen, hieß es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht der WHO über mentale Gesundheit. Der WHO-Experte Mark Van Ommeren forderte alle Länder auf, mehr für die psychische Gesundheit ihrer Bevölkerung zu tun.

Bereits vor Beginn der Pandemie habe fast eine Milliarde Menschen an einer psychischen Störung gelitten, hieß es in der umfassendsten Studie der WHO zur mentalen Gesundheit seit zwei Jahrzehnten. Mit der Pandemie und den strikten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus nahm die Zahl der Menschen, die unter Depressionen und Angstzuständen litten, demnach nochmals deutlich zu. Betroffen waren laut WHO besonders junge Menschen, Frauen sowie Menschen, die bereits psychische Probleme hatten.

Dies liege auch daran, dass trotz des großen Einsatzes im Kampf gegen das Virus nicht mehr Geld in den Kampf gegen psychische Probleme geflossen sei, hieß es in dem Bericht. Bis heute würden nur zwei Prozent der nationalen Gesundheitsbudgets und weniger als ein Prozent der weltweiten Hilfen für die Gesundheitsfürsorge in die mentale Gesundheit investiert.

Jeder achte Mensch lebt mit psychischer Störung

»All diese Zahlen sind sehr, sehr niedrig«, sagte Van Ommeren. Der Bericht aber zeige, wie »enorm das Leid« weltweit sei. »Investitionen in die psychische Gesundheit sind Investitionen in ein besseres Leben und eine bessere Zukunft für alle«, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Laut der Studie lebt etwa jeder achte Mensch auf der Welt mit einer psychischen Störung. Noch schlimmer ist es in Konfliktgebieten, dort leidet den Schätzungen zufolge jeder Fünfte an psychischen Problemen.

Neben mehr Geld forderte die WHO auch ein Ende der Stigmatisierung psychischer Krankheiten. In mehr als 20 Ländern etwa würden Suizidversuche immer noch kriminalisiert. Einer von hundert Todesfällen weltweit sei jedoch auf Suizid zurückzuführen.

olb/AFP