Brasilien Rios Strände sind voll – trotz Corona

Hunderttausende Corona-Infizierte sind in Brasilien gestorben – und doch wollen sich viele Menschen nicht einschränken. Zu beobachten ist das auch an Rios Stränden.
Der Strand Ipanema in Rio de Janeiro: »Völlig banalisiert«

Der Strand Ipanema in Rio de Janeiro: »Völlig banalisiert«

Foto: RICARDO MORAES / REUTERS

Trotz steigender Corona-Zahlen sind die Strände der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro voll. Dicht an dicht drängten sich die Besucher zwischen den bunten Sonnenschirmen an den weltberühmten Stränden von Copacabana und Ipanema, wie auf Fotos vom Sonntag zu sehen war. Viele trugen keine Maske.

DER SPIEGEL

Die Menschen hätten die Pandemie inzwischen »völlig banalisiert«, zitierte das Nachrichtenportal »G1« die Wissenschaftlerin Chrystina Barros von der Bundesuniversität Rio de Janeiro.

Die Menschen seien der Einschränkungen müde. Sie sehe keine Möglichkeit mehr, den Leuten ins Gewissen zu reden. »Leider geht es nicht mehr«, sagte Barros.

Ipanema-Strand in Rio

Ipanema-Strand in Rio

Foto: Fernando Souza / dpa

Am Sonntag wurden die Straßen entlang der Strände von Copacabana, Ipanema und Leblon und der Park Aterro do Flamengo für den Fahrzeugverkehr geschlossen. Die Bewohner Rios können sie als Freizeitgebiete nutzen. Der Januar ist in Brasilien Ferienzeit.

Mit mehr als 209.000 Toten ist Brasilien in absoluten Zahlen das nach den USA das am schwersten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Der rechtsextreme Präsident Jair Bolsonaro hat die Gefahr durch das Virus stets heruntergespielt und zuletzt auch immer wieder Zweifel an Impfungen geäußert. Er steht wegen seines Krisenmanagements seit Monaten in der Kritik.

Zuletzt haben die dramatischen Zustände in den Krankenhäusern im Bundesstaat Amazonas Proteste gegen Bolsonaro ausgelöst. In Millionenstädten wie Rio de Janeiro, São Paulo oder Brasília gingen am Wochenende zahlreiche Menschen auf ihre Balkone, schlugen mit Löffeln auf Töpfe und riefen »Bolsonaro, tritt zurück«. Ähnliche Proteste hatte es zuletzt Mitte 2020, auf dem ersten Höhepunkt der Coronakrise, gegeben.

Im Bundesstaat Amazonas im Nordwesten Brasiliens war das Gesundheitssystem schon im vergangenen April und Mai zusammengebrochen, Tote wurden in Massengräbern bestattet.

Jetzt hat Amazonas erneut mit steigenden Infektionszahlen zu kämpfen. Die Intensivstationen sind voll, viele Kliniken haben bereits keinen Sauerstoff zur Beatmung schwer kranker Patienten mehr.

Betroffen sind nicht nur Corona-Patienten. Berichte über erstickende Patienten und verzweifelte Angehörige, die selbst Sauerstoffflaschen für kranke Verwandte in die Kliniken bringen, sorgen im Land für Entsetzen.

jpz/dpa