Frankfurt am Main Behörden melden mehr als 40 Corona-Infizierte nach Gottesdienst

Der Corona-Ausbruch nach einem Gottesdienst in Frankfurt hat offenbar deutlich größere Ausmaße als bislang angenommen. Dutzende Menschen in der Region sind betroffen, die Behörden haben eine Veranstaltung abgesagt.
Bethaus der Frankfurter Baptisten-Gemeinde: Gottesdienste nur noch online

Bethaus der Frankfurter Baptisten-Gemeinde: Gottesdienste nur noch online

Foto: Boris Roessler/ dpa

Ein Gottesdienst in Frankfurt am Main hat offenbar trotz Hygienemaßnahmen zu einem größeren Corona-Ausbruch geführt. Es hätten sich bei der Feier in einer Kirchengemeinde der Baptisten mehr als 40 Menschen infiziert, teilte der Leiter des städtischen Gesundheitsamtes mit.

"Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank", sagte Amtsleiter René Gottschalk. "Nach unserem Kenntnisstand ist auch nur eine Person in einem Krankenhaus." Der stellvertretende Gemeindevorsitzende Wladimir Pritzkau hatte zuvor davon gesprochen, dass sechs Betroffene in Krankenhäusern seien.

Angesteckt haben sich infolge des Gottesdienstes am 10. Mai nicht nur Menschen aus Frankfurt. Die Stadt Hanau teilte mit , dass sich nach Informationen des Main-Kinzig-Kreises "mindestens 16 Personen aus Hanau mit dem Corona-Virus infiziert haben".

Deshalb hätten der Landkreis und die Stadt ein für Sonntag geplantes Fastengebet von Muslimen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion abgesagt. Die Veranstaltung wäre mit Blick auf die Geschehnisse in Frankfurt unverantwortlich.

Die Frankfurter Kirchengemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten hatte bereits zuvor Konsequenzen gezogen. "Wir haben alle Versammlungen abgebrochen. Gottesdienste gibt es jetzt nur noch online", sagte Gemeindevertreter Pritzkau.

Er sprach von einer "schwierigen Lage" angesichts des Ausbruchs - und beteuerte zugleich, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten worden seien: Es habe Desinfektionsmittel gegeben, so der 64-Jährige, auch der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden.

Religiöse Versammlungen sind seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. So muss in Kirchen und anderen Gotteshäusern der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen allen Menschen eingehalten werden, nötig sind zudem weitere Hygienemaßnahmen wie das Aufstellen von Desinfektionsmittelspendern.

Der Fall könnte Zweifel nähren an einigen Lockerungen von Schutzmaßnahmen während der Coronakrise . Seit Kurzem sind vielerorts Schulen und Kitas wieder geöffnet, auch die Bewirtung in Gaststätten und Cafés ist fast überall wieder erlaubt. Im niedersächsischen Leer haben sich mehrere Menschen beim Besuch eines Restaurants angesteckt. Dutzende müssen dort nun in Quarantäne.

mxw/dpa