Nach Gottesdienst in Frankfurt Zahl der Infizierten steigt auf über hundert

In Frankfurt haben sich etliche Gläubige in einer Kirche mit dem Coronavirus infiziert. Der Ausbruch hat inzwischen offenbar bedenkliche Ausmaße - und betrifft mehrere Landkreise.
Frankfurter Baptisten-Gemeinde: Infizierte in drei Landkreisen

Frankfurter Baptisten-Gemeinde: Infizierte in drei Landkreisen

Foto: Heike Lyding/ imago images/epd

Der Corona-Ausbruch in Frankfurt am Main stellt sich als deutlich größer dar als bislang angenommen. Infolge eines Gottesdienstes in einer Kirchengemeinde der Baptisten infizierten sich mindestens 107 Menschen mit dem Virus, wie der hessische Gesundheitsminister Kai Klose mitteilte.

Die betroffenen Menschen lebten in Frankfurt und drei hessischen Landkreisen, sagte der Grünenpolitiker demzufolge. Wie viele der Betroffenen sich nun in häuslicher Quarantäne oder Kliniken befinden, ist nicht bekannt.

"Die Gesundheitsämter vor Ort haben die Kontaktpersonennachverfolgung unmittelbar aufgenommen, das Land steht mit ihnen in engem Kontakt", sagte Klose Medienberichten zufolge. "Diese Situation zeigt, wie wichtig es ist, dass wir alle - gerade während der Lockerungen, die jetzt wieder möglich gemacht werden - wachsam bleiben und nicht leichtsinnig werden. Das Virus ist weiterhin da und will sich verbreiten."

Am Samstag hatte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes zunächst etwa 40 Fälle bestätigt, von denen die meisten demzufolge eher milde verlaufen. "Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank", sagte Amtsleiter René Gottschalk.

Die meisten hätten sich nicht bei dem Gottesdienst, sondern erst danach zu Hause angesteckt. Die Einzelfälle würden nun nachverfolgt, so Gottschalk: "Wir haben das gut im Griff."

Die Stadt Hanau hatte am Samstag mitgeteilt , dass sich mindestens 16 Bürger infolge des Gottesdienstes am 10. Mai infiziert hätten. Die Behörden sagten daher ein für Sonntag geplantes Fastengebet von Muslimen im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion abgesagt. Die Veranstaltung wäre mit Blick auf die Geschehnisse in Frankfurt unverantwortlich.

Die Frankfurter Kirchengemeinde der Evangeliums-Christen-Baptisten hatte bereits zuvor Konsequenzen gezogen. "Wir haben alle Versammlungen abgebrochen. Gottesdienste gibt es jetzt nur noch online", sagte der stellvertretende Gemeindevorsitzende Wladimir Pritzkau.

Er beteuerte, alle gesetzlichen Vorgaben seien eingehalten worden: Es habe Desinfektionsmittel gegeben, so der 64-Jährige, auch der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden (hier erfahren Sie mehr über die deutsche Pandemie-Politik).

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Religiöse Versammlungen sind seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. So muss in Kirchen und anderen Gotteshäusern der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen allen Menschen eingehalten werden, nötig sind zudem weitere Hygienemaßnahmen wie das Aufstellen von Desinfektionsmittelspendern.

mxw/dpa
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