Nordrhein-Westfalen Soldat steckte sich mit Coronavirus bei schwer erkranktem Ehepaar an

Ein Soldat der Flugbereitschaft der Bundesregierung ist positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Er hat sich nach SPIEGEL-Informationen auf einer Karnevalssitzung infiziert.
Der Stützpunkt in Köln-Wahn war kurzzeitig abgeriegelt worden

Der Stützpunkt in Köln-Wahn war kurzzeitig abgeriegelt worden

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Maja Hitij/ dpa

Ein Stabssoldat der Flugbereitschaft der Bundesregierung hat sich nach SPIEGEL-Informationen durch private Kontakte zu dem bereits schwer erkrankten Ehepaar in Nordrhein-Westfalen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. Ein entsprechender Schnelltest fiel am Abend positiv aus, der Soldat der Luftwaffe wird nun in einem Krankenhaus der Truppe unter Quarantäne gestellt.

Nach ersten Recherchen der Bundeswehr war der Soldat, der in der Verwaltung der Flugbereitschaft eingesetzt ist, eng mit dem erkrankten Ehepaar aus NRW befreundet. Offenbar war der Soldat auch auf einer Karnevalsfeier, die das Paar besucht hatte, und hat sich möglicherweise dort infiziert.

Die Luftwaffe informierte nach SPIEGEL-Informationen umgehend sowohl Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als auch Außenminister Heiko Maas, die derzeit jeweils mit einem Airbus A340 der Flugbereitschaft unterwegs sind. Steinmeier ist bereits seit Sonntag in Kenia, Maas flog am Nachmittag in Richtung USA ab.

Soldat hatte keinen Kontakt zu Regierungsflieger-Crews

Eine Gefahr für die Spitzenpolitiker oder ihre Delegationen besteht nach SPIEGEL-Informationen allerdings nicht. So hat die Luftwaffe nach intensiven Recherchen festgestellt, dass der betroffene Soldat keinerlei Kontakt mit den Crews der Regierungsflieger hatte. Trotzdem muss nun innerhalb der Flugbereitschaft, die in Köln-Wahn stationiert ist, geklärt werden, welche anderen Soldaten mit dem Infizierten Kontakt hatten. Am Vormittag hatte die Luftwaffe den Stützpunkt kurzzeitig abgeriegelt, die Sicherheitsmaßnahme wurde aber schon nach einigen Stunden wieder aufgehoben.

Innerhalb der Flugbereitschaft gab es am Mittwoch noch einen weiteren Verdachtsfall, der sich allerdings nicht bestätigt hatte. So hatte eine Soldatin der Regierungsflotte gemeldet, sie sei über mehrere Ecken mit einem infizierten Ehepaar aus Baden-Württemberg befreundet. Ein Schnelltest allerdings fiel negativ aus.

Erkrankter Mann muss beatmet werden

Das Ehepaar aus dem Kreis Heinsberg, bei dem sich der Soldat angesteckt haben könnte, leidet an Lungenentzündungen. Der Zustand des Manns ist kritisch, er muss beatmet werden. Nach Angaben der Behörden hat er eine Vorerkrankung. Das Paar hat zwei schulpflichtige Kinder, die bislang jedoch noch keine Beschwerden zeigen. Tests der beiden stehen noch aus. Sie befinden sich mit ihrer Großmutter unter häuslicher Quarantäne.

Wo sich der Mann und die Frau angesteckt haben, ist noch nicht klar. Ein erster Verdacht - ein Geschäftspartner - habe sich nicht bestätigt, wie bei einer Pressekonferenz der Behörden erklärt wurde. Kritisch ist, dass der Mann bereits seit mehr als zehn Tagen unter Beschwerden litt und am öffentlichen Leben teilnahm. Das Paar besuchte unter anderem besagte Karnevalssitzung.

Kritisch ist zudem, dass die infizierte Frau als Erzieherin arbeitet. Die Kinder der betroffenen Einrichtung wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Aktuell werden Tests durchgeführt, von den Kindern wurden Rachenabstriche genommen. Die Ergebnisse sollen am Donnerstag vorliegen.

Kreis Heinsberg schließt Schulen

Das Ehepaar hatte in den vergangenen Tagen zudem die Kölner Universitätsklinik und zwei Arztpraxen besucht. Das medizinische Personal sei informiert worden, genauso wie Patienten, die möglicherweise Kontakt zu den Infizierten hatten, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Alle Kontaktpersonen stünden für zwei Wochen unter häuslicher Quarantäne.

Bewohner im betroffenen Kreis Heinsberg sind dazu angehalten, bei grippeähnlichen Beschwerden zu Hause zu bleiben und telefonisch den Hausarzt oder das Gesundheitsamt zu informieren. Der Kreis hat bis einschließlich Montag alle Schulen und Kindergärten geschlossen. "Wir können nicht garantieren, dass wir die Infektionsketten gekappt kriegen", so Laumann. "Wir bemühen uns aber und werden alles dafür tun."

Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch (CDU) sagte, man versuche alles Menschenmögliche, um den Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen. "Ob das am Ende des Tages gelingen wird, das ist eine andere Frage. Aber keinem ist geholfen, zum jetzigen Zeitpunkt in Panik zu verfallen."

mgb/ptz
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